Staatliche Bescherung

Qimonda wird durch ein Kreditpaket gerettet

22.12.2008
Die Insolvenz des Speicherchip-Herstellers Qimonda ist durch ein 325 Millionen Euro schweres Rettungspaket vorerst abgewendet.

Nach tagelangem, öffentlichen Schlagabtausch einigten sich das Land Sachsen, der Mutterkonzern Infineon und die portugiesische Regierung auf eine finanzielle Hilfe. Sachsen gibt ein Darlehen von 150 Millionen Euro, Portugal von 100 Millionen Euro und Infineon stellt 75 Millionen Euro Kredit. Nahe der portugiesischen Stadt Porto existiert ein Qimonda-Standort, der die im Hauptwerk Dresden produzierten Chips vollendet. Stammsitz von Qimonda ist München. Zusätzlich zum Kreditpaket kann das Unternehmen auf finanzielle Hilfe vom Staat hoffen. Qimonda habe die Möglichkeit, eine 280 Millionen Euro umfassende Bürgschaft des Bundes und des Freistaates Sachsen zu erhalten, teilte Qimonda am Sonntag in München mit. Über 150 Millionen Euro daraus gebe es fortgeschrittene Verhandlungen hinsichtlich der Finanzierung, hieß es weiter.

"Die Gesamtstrategie von Qimonda ist darauf ausgerichtet, diesen Standort massiv auszubauen und hier auch auf Stückzahlen zu kommen, die von der Wettbewerbsfähigkeit her notwendig sind", erklärte Qimonda-Aufsichtsratsvorsitzender Peter Fischl: "Mit diesem Finanzierungspaket sind wir in der Lage, die Firma zu stabilisieren und vor allem unsere Buried Wordline-Technologie hier umzusetzen. Wir freuen uns besonders, dass es eine europäische Lösung gibt." Die von Qimonda entwickelten Technologie soll bei kleineren Chipgrößen einen geringeren Stromverbrauch und weitere Vorteile garantieren. Nach Ansicht von Experten hat Qimonda damit gegenüber seinen weltweit vier Wettbewerbern einen technologischen Vorsprung von 18 Monaten.

Laut Infineon-Chef Peter Bauer erleichtert das Kreditpaket die weitere Finanzierung von Qimonda und ermöglicht so den Ausbau des Standortes Dresden. Fischl kündigte an, dass Qimonda die Restrukturierung wie angekündigt fortsetzen wird. Demnach fallen wie geplant allein in Dresden bis Frühjahr kommenden Jahres 950 Stellen weg. Auch das Top-Management will einen Beitrag leisten. Fischl kündigte am Sonntag eine Reduzierung der Zielgehälter um durchschnittlich 20 Prozent an. Zudem gebe es Anstrengungen, um weitere Finanzierungsmöglichkeiten zu bekommen.

Das sächsische Parlament muss den Finanzierungsanteil des Freistaates noch absegnen. Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) geht davon aus, dass dies ohne Probleme erfolgt. Jurk zufolge soll die EU-Kommission an diesem Montag über das Rettungspaket informiert werden. Man sei im Zuge der Verhandlungen "fortlaufend" mit den EU-Behörden in Verbindung gewesen. "Wir wollen, dass das Unternehmen hier eine sehr gute Zukunft hat mit einer wunderbaren Technologie und hier weiterhin für Arbeit und Beschäftigung sorgt", sagte der Minister.

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