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Qantas modernisiert seine 50 Jahre alte IT

29.11.2005
Der australische Flug-Carrier mit dem Känguru im Logo investiert mehr als eine Milliarde Dollar in einen System-Overhaul.

Qantas-CIO Fiona Balfour hat dieser Tage alle Hände voll zu tun: Leitete sie im vergangenen Jahr bereits das Outsourcing großer Teile des IT-Betriebs ein, so absolviert sie derzeit den Endspurt für die Definition einer neuen Anwendungsstrategie. Wie der Brancheninformationsdienst "News.com" meldet, will sie diese Aufgabe bis Weihnachten erledigt haben.

Fluglinien gehörten zu den ersten Unternehmen, aus denen die IT-Unterstützung nicht mehr weg zu denken war. So datiert auch die Qantas-IT aus den Fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. In der Zwischenzeit haben sich mehr als 700 Anwendungen angehäuft, von denen viele in alten Programmiersprachen wie Cobol oder Fortran geschrieben sind. Laut News.com ist diese "antiquierte" IT-Umgebung verantwortlich dafür, dass die IT- und Telekommunikationskosten bei Qantas etwa vier Prozent des jährlichen Umsatzes auffressen, während die Mitbewerber nur zwei Prozent der Einnahmen für ihre IT ausgeben.

Deshalb hat Qantas schon vor einiger Zeit ein groß angelegtes Umstiegsprogramm eingeläutet. Derzeit werden immer noch 75 bis 80 Prozent der Anwendungen inhouse betrieben, doch laut IT-Chefin Balfour ist die Fluglinie im Begriff, mehr Applikationen an Service-Provider zu vergeben. Vor drei Jahren hat sie zudem begonnen, einen Großteil ihrer Mainframe-basierenden Unternehmensanwendungen durch Oracles "E-Business Suite" auf einer Linux-Plattform zu ersetzen. Auch die Finanzbuchhaltung und das Personal-Management-System stehen zur Ablösung an. Die in Cobol programmierte Engineering- und Maintenance-Software hat ihr Verfallsdatum ebenfalls längst überschritten. Aber die Migration auf eine moderne Unix-Umgebung würde nach Expertenschätzungen mehr als 70 Millionen US-Dollar kosten, und bislang konnte Balfour dafür noch keinen Business Case errechnen.

Neben Oracle hat Qantas auch IBM, den Telecom-Spezialisten Telstra sowie die als IT-Provider für Airlines etablierten Unternehmen SITA (Netzwerke) und Amadeus (Reservierungssystem) zu strategischen Partnern erklärt. Mit IBM und Telstra hat der Carrier im Mai vergangenen Jahres Outsourcing-Deals im Gesamtwert von mehr als einer Milliarde Dollar geschlossen. Der auf zehn Jahre befristete Vertrag mit Big Blue bezieht sich auf den Rechenzentrumsbetrieb und andere Services für Mainframes und Midrange-Systeme. Das Abkommen mit Telstra läuft voraussichtlich sieben Jahre lang und betrifft die Voice-, Daten- und Desktop-Services im Netz.

Ende vergangenen Monats hat Qantas bereits sein 35 Jahre altes Mainframe-Zentrum aus dem Untergrund von Sydneys Geschäftsviertel in die etwa 40 Kilometer entfernte IBM-Niederlassung Baulkham Hills umgezogen. Vor den Festtagen sollen 16 mittlere Server-Systeme folgen. Die 80 für das Weihnachtsgeschäft kritischen Server für www.qantas.com bleiben bis Anfang nächsten Jahres vor Ort.

Telstra installiert derzeit 700 neue Desktops pro Woche; insgesamt sollen 17.000 PCs und etwa 21.000 weitere Frontend-Systeme ausgetauscht werden. Mit dem Hardwarewechsel verbunden ist der Umstieg von Windows 2000 auf XP. Darüber hinaus hofft Balfour, als Teil des Telstra-Deals bis Ende des kommenden Jahres das alte Qantas-Netz gegen ein durchgängiges IP-Netz austauschen zu können. (qua)