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Pulsent will die Videokompression revolutionieren

25.03.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die im Silicon Valley ansässige Startup-Company Pulsent hat in vierjähriger, streng geheimer Entwicklungsarbeit offenbar eine Technik entwickelt, die die Übertragung von Videodaten und damit den Markt für Video on demand revolutionieren könnte. Allerdings ist fraglich, ob es der Firma gelingen kann, sie im Markt auch durchzusetzen.

Herkömmliche Kompressionsverfahren wie MPEG, Windows Media oder Real Video arbeiten blockbasiert. Ein Frame (=Einzelbild) wird dabei in kleine Bereiche oder Blöcke aufgeteilt. Hoch komplexe mathematische Algorithmen ermitteln anschließend, welche Blöcke im folgenden Frame sich unterscheiden und neu übertragen werden müssen. Pulsent-Chef Adityo Prakash und seine Frau Eniko Fodor verfolgen dagegen bei ihrer Technik einen "objektorientierten" Ansatz, bei dem ein Bild anhand visueller Attribute aufgeteilt und klassifiziert wird. Die Haare einer Frau könnten damit beispielsweise anhand von Licht und Schatten als drei verschiedene Objekte identifiziert werden. Solche Objekte ließen sich präziser erfassen und von Frame zu Frame nachverfolgen, was die zu übertragenden Datenmenge reduziere.

MPEG zwei benötigt zur Übertragung von Video in TV-Qualität üblicherweise Bandbreiten zwischen vier und sechs Millionen Bit pro Sekunde. Pulsent gibt an, dass es bereits bei 1,5 Mbit pro Sekunde und damit im DSL-Bereich sogar qualitativ bessere Bewegtbilder übertragen könne. Experten zeigten sich durchaus beeindruckt von dem neuen Ansatz. "Aus technischer Sicht ist das ein Durchbruch", bescheinigt beispielsweise Patrice Capitant, der sich an der Stanford University und später bei Compression Labs Inc. mit dem Thema beschäftigt hat. Kollege Robert Rice vom Jet Propulsion Laboratory der NASA findet die Pulsent-Technik so überzeugend, dass er sich an der Firma beteiligt hat.

Allerdings hat die Sache einen Haken: Das En- und Decoding der Pulsent-Daten ist nur über spezielle Chips (ASICs = Application Specific Integrated Circuits) möglich. Diese gibt es erstens noch nicht - Pulsent will Ende des Jahres erste Halbleiter liefern -, und zweitens müssen sie sowohl in Endgeräten wie Settop-Boxen als auch auf Seiten der Netzbetreiber auch eingebaut werden. Die meisten Hersteller und Anbieter in diesen Bereich haben bereits in andere Techniken investiert. Außerdem sind Real, Microsoft, Apple oder DivX natürlich derweil nicht untätig und arbeiten beständig an der Verbesserung ihrer bereits etablierten Techniken.

Pulsent plant nach eigenen Angaben unter anderem Chips, die neben der neuen Technik auch die Standards MPEG-1, MPEG-2 und MPEG-4 unterstützen. Das Unternehmen wurde 1998 gegründet und hat seitdem in zwei Finanzierungsrunden 33,5 Millionen Dollar erhalten. Neben den Venture-Capital-Gebern JP Morgan Partners, Oak Investment Partners und Index Ventures gehört auch der Videoconferencing-Anbieter Polycom zu den Finanziers. (tc)