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Prozess gegen früherem Worldcom-CEO Ebbers beginnt

26.01.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Knapp drei Jahre nach dem Skandal um Worldcom muss sich der Gründer und frühere Chef des US-Telekommunikationskonzerns, Bernard Ebbers, vor Gericht verantworten. Der frühere Selfmade-Milliardär ist wegen Betrugs, Verschwörung und Falschaussagen in insgesamt neun Punkten angeklagt. Bei einem Schuldspruch drohen ihm rechnerisch bis zu 85 Jahre Haft.

Bereits im Anfangsplädoyer schalt Staatsanwalt David Anders den gebürtigen Kanadier Ebbers einen notorischen Lügner, der seine Angestellten immer wieder zum Fälschen der Bilanzen anstiftete.

Ebbers Anwalt Reid Weingarten versuchte dagegen, die Glaubwürdigkeit des Kronzeugen der Anklage, des ehemaligen Worldcom-Finanzchefs Scott Sullivan, zu erschüttern. Er bezeichnete Sullivan, der bereits ein Geständnis abgelegt hatte, als den Drahtzieher der Machenschaften. Im Gegensatz zu seinem Mandanten sei Sullivan sehr wohl zu einem Betrug fähig, erklärte Weingarten. Ebbers hingegen könne nicht für etwas verantwortlich gemacht werden, von dem er nichts gewusst habe. Unter der "Zillion" an Unterlagen sei kein einziger Beweis für Ebbers Schuld, so der Verteidiger.

Der 63-Jährige war im April 2002 als CEO von Worldcom zurückgetreten, kurz bevor das Unternehmen den mit elf Milliarden Dollar größten Bilanzbetrug der US-Geschichte einräumte. Im Sommer 2002 beantragte das Unternehmen Gläubigerschutz nach Paragraf elf des US-Konkursrechts. Etwa 20.000 Mitarbeiter wurden arbeitslos, die Worldcom-Aktionäre verloren rund 180 Milliarden Dollar. Inzwischen hat die Company die Reorgansiation abgeschlossen und sich in MCI Inc. umbenannt. (mb)