Freiberufler

Projektanbieter müssen höhere Honorare zahlen

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
IT-Freiberufler setzen im Schnitt einen Preis von 74 Euro pro Arbeitsstunde an. Eine Forderung, die sie oft auch erfüllt bekommen, schließlich ist die Nachfrage nach selbständigen IT-Profis hoch.
Im Schnitt 74 Euro in der Stunde fordern IT-Freiberufler, so das Ergebnis der aktuellen Gulp-Analyse.
Im Schnitt 74 Euro in der Stunde fordern IT-Freiberufler, so das Ergebnis der aktuellen Gulp-Analyse.
Foto: M. Schuppich/Fotolia.de

Seit 14 Jahren wertet die Projektbörse Gulp die Stundensatzforderungen der Freiberufler aus, die sich in ihrer Datenbank mit einem Profil eingetragen haben. Momentan sind das mehr 80.000 Profile von IT-Experten, davon 11.500 mit Schwerpunkt Engineering. Die Honorarvorstellungen der Freiberufler sind seit jeher ein Indikator für die Situation auf dem Projektmarkt. Ist die Nachfrage hoch, steigern die Freiberufler ihre Forderungen. Geht die Zahl der Projekte zurück, stagnieren die Forderungen oder gehen sogar zurück.

Hohe Nachfrage nach Freiberuflern

Derzeit ist der IT-Projektmarkt ist eindeutig auf der Seite der Kandidaten: Die hohe Nachfrage nach Fachkräften aus dem IT- und Engineering-Bereich hat nicht nur zur Folge, dass die meisten Freelancer mit Projekten gut ausgelastet sind - sondern auch, dass sie höhere Preise fordern und durchsetzen können. "Projektanbieter müssen tiefer in die Tasche greifen", sagt Stefan Symanek, Marketing-Leiter von Gulp. So ergab die jüngste Auswertung, dass Freiberufler im Schnitt 74 Euro in der Stunde fordern. Und diesen Preis zahlen die Projektanbieter auch, wie Symanek ergänzt: "2012 liegt der durchschnittliche gezahlte Stundensatz bei 74 Euro. Im Vergleich zum letzten Jahr sind die gezahlten Honorare um zwei Euro gestiegen."

Stefan Symanek, Gulp: Projektanbieter müssen tiefer in die Tasche greifen.
Stefan Symanek, Gulp: Projektanbieter müssen tiefer in die Tasche greifen.

Aktuell verlangt fast die Hälfte der IT-Selbständigen im deutschsprachigen Raum Honorare von 60 bis 80 Euro - sie alle liegen also nah am Durchschnitt von 74 Euro. Symanek: "Dieser Durchschnitt betrug im August 2006 übrigens 70 Euro. Der Anteil der Freiberufler, die Honorare von unter 70 Euro fordern, hat in den letzten fünf Jahren um fast elf Prozentpunkte abgenommen. Insgesamt ist die Kurve im Laufe der Jahre flacher geworden." Mehr als jeder zehnte Freelancer setzt sein Honorar sogar bei 100 Euro und mehr in der Stunde an.

IT-Projektleiter fordern 22 Euro mehr als Administratoren

Wie viel ein Freiberufler für seine Leistung verlangen kann, ist auch eine Frage seiner Qualifikation und Tätigkeit. So sind leitende und beratende Aufgaben nicht nur in der Welt der Festangestellten höher vergütet. Am oberen Ende der Honorarskala finden sich selbständige IT-Projektleiter mit einer Forderung von durchschnittlich 82 Euro in der Stunde. Dazu Symanek: "Das sind ein Euro mehr als im Februar und acht Euro mehr als der Durchschnitt." Gegenüber den Administratoren, die das Schlusslicht dieser Tabelle bilden, sind es sogar 22 Euro mehr. Seit Februar haben sechs der acht Positionen ihre Honorarvorstellungen angehoben, nur die Honorarwünsche der Qualitätssicherungsexperten (67 Euro) und der Hardwareentwickler (62 Euro) stagnieren.

Honorare nach Alter: 45- bis 49-Jährige an der Spitze

In den vergangenen fünf Jahren haben Freiberufler aller Altersgruppen ihre Stundensatzforderungen erhöht. Am stärksten fiel die Erhöhung bei den 45- bis 49-Jährigen (77 Euro) aus, die sich damit als Spitzengruppe absetzten. Am unteren Ende der Skala rangieren mit 64 Euro Freiberufler, die jünger als 35 Jahre sind: Vor fünf Jahren lag ihr Honorarwunsch bei 61 Euro.