Honorare

Projektanbieter halten Freiberufler für überbezahlt

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
Die Honorare bleiben der Zankapfel im Freiberuflermarkt. Während die selbständigen IT-Profis die gestiegenen Honorare begrüßen, empfinden sie Projektvermittler als zu hoch, wie eine aktuelle Gulp-Umfrage zeigt.

Seit wenigen Jahren geht es für die IT-Freiberufler wieder aufwärts: Einerseits gibt es deutlich mehr Projektanfragen, was höhere Honorarwünsche nach sich zieht. Andererseits laufen immer mehr Aufträge über Personaldienstleister, die Freiberufler an Endkunden vermitteln und sich diese Tätigkeit mit entsprechenden Margen vergüten lässt. Es liegt in der Natur der Sache, dass Freiberufler und Projektanbieter das Thema Honorare unterschiedlich beurteilen. Das zeigte kürzlich eine Umfrage des Projektportals Gulp unter 100 IT-Selbständigen und 113 Projektanbietern.

Benzin und Hotels machen Arbeiten teurer

So sind 41 Prozent der befragten Projektanbieter der Meinung, dass IT-Freiberufler im Vergleich zu Festangestellten zu viel verdienen. 61 Prozent der Freiberufler sehen sich dagegen gerecht entlohnt, weitere 37 Prozent empfinden die derzeit gezahlten Honorare sogar als zu niedrig. Ein selbständiger IT-Profi erklärt auf der Gulp-Website, warum: "Wenn die Stundensätze anfangen zu steigen, dann finde ich das eine schon fast überfällige Anpassung. Als ich im Jahr 2004 in einem Projekt in München anfing, kostete mich der Liter Treibstoff noch 0,89, heute 1,45 Euro. Da geht die Wochenendheimfahrt ziemlich ins Geld. Die Übernachtung kostete 30 Euro am Tag, heute muss ich für das gleiche Zimmer 55 Euro am Tag bezahlen. Gemessen an der Kostensteigerung der letzten Jahre müßte die Steigerung der Stundensätze noch viel stärker ausfallen."

1200 Euro am Tag für einen Projektleiter sind nicht überzogen

Im Februar 2008 hat Gulp die Honorarforderungen der Freiberufler ausgewertet und kam auf einen durchschnittlich geforderten Stundensatz von 71 Euro, wobei viele ausgewiesene IT-Spezialisten auch dreistellige Summen fordern. Die meisten Freiberufler sind überzeugt, mit diesen Forderungen eher zu niedrig oder meist richtig zu liegen. Auch ein selbständiger Berater und Projektleiter findet seinen Tagessatz von 1200 Euro nicht überzogen: " Wer als Projektleiter ständig reisen muss, dem reichen 70 Euro Stundensatz beileibe nicht. Der Kunde bezahlt die Tickets für seine Angestellten doch auch, also warum nicht nicht für den freiberuflichen Kollegen?" Zudem müssten die Kunden für etablierte Consulting-Firmen noch mehr bezahlen, da liege der Tagessatz für einen Projektleiter bei 2000 Euro.

Im Gegensatz dazu glaubt jeder zweite Projektvermittler, dass die Forderungen der Freiberufler zu hoch ausfallen. Da passt es auch ins Bild, dass nur noch gut die Hälfte der Vermittler damit rechnet, dass die Stundensätze weiter in die Höhe klettern. 27 Prozent gehen davon aus, dass sie stagnieren. Zwei Drittel der befragten Freiberufler sind da optimistischer.

Marge bleibt oft unter Verschluss

Wenn Honorare selbst in guten Zeiten ein umstrittenes Thema im Projektmarkt bleiben, liegt das auch an der Politik vieler Personalvermittler. Zwar haben die befragten Vermittler ihre durchschnittliche Marge mit 21,4 Euro pro Freiberuflerstunde angegeben. Gleichzeitig geben aber 46 Prozent der Vermittler an, dass sie ihre Margen unter Verschluss halten. So erfahren die Freiberufler auch auf Nachfrage nicht, was der Vermittler beim Kunden für ihre Arbeit in Rechnung stellt. Unter den befragten Freiberuflern wissen zwei Drittel den Endpreis nicht.

In der ganzen Diskussion um gerechte Stundensätze rät ein Freiberufler auf der Gulp-Website, doch nicht nur an die reinen Zahlen zu denken. Er arbeitet drezeit für 68 Euro in der Stunde, ist aber zufrieden, da es sich um ein längerfristiges Projekt handelt: "Der Job ist locker, ich kann oft Home Office machen und muss mich nicht tot arbeiten. Die Reisekosten (weniger als 700 Euro im Monat) und Zeiten halten sich in Grenzen. Ich habe schon mehr bekommen und weniger davon gehabt."