Pressespiegel

18.11.1994

Das Streiflicht der "Sueddeutschen Zeitung" vom 8.11.1994 ueber PC- Beichtkinder: Die einzige Religion der Gegenwart mit spuerbarem Zulauf ist jene, deren Gott kein Gesicht hat, sondern eine Benutzeroberflaeche, kein gnaedig geneigtes Ohr, sondern ein Tastenfeld, und schon gar kein Wesen, sondern einen Rechner. "Peezee" heisst er. Man opfert ihm mit Software und ruft zu ihm ueber eine Maus. Wer an ihn glaubt, der tut das unbedingt. Ein Duesseldorfer Glaeubiger hat nun entdeckt, dass das kirchliche Busssakrament noch vorpeezeeischen Ritualen unterworfen ist. Also machte er von der Beichte ein Programm, das er "Online mit Jesus" nannte. Man muss sich dessen Ablauf ungefaehr so vorstellen, dass der Suender seine Fehler eingibt und der Computer ihm daraufhin eine nach Punkten gestaffelte Busse verordnet.

Das Magazin "Focus" ueber den Betriebssystem-Krieg zwischen IBM und Microsoft: "IBM nutzt die letzte Chance", so Frank Sempert, Geschaeftsfuehrer des EDV-Consulters Gartner Group in Frankfurt. Die Hoffnung von Big Blue: Wenn zehn Millionen OS/2-Betriebssysteme unters PC-Volk gestreut werden, denken auch die Software- Entwickler um. Bisher basteln nur Lotus und Star-Division an OS/2- Programmen. Das Gros der Softwarehaeuser wartet bisher auf Windows 95, um ihre neuen Programme auf das kommende Microsoft-System auszurichten. Christian Wedell, Chef von Microsoft Zentraleuropa, sieht denn auch gelassen zu, wie "IBM sehr viel Geld verbrennt." Wer jetzt 32-Bit-Rechner kauft, "landet frueher oder spaeter bei Windows 95".

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" (45/1994) ueber den Siemens- Chef Heinrich von Pierer: Manche klugen Ratgeber haetten ihn gewarnt, sich so unmittelbar mit dem Schicksal von SNI zu verbinden, erzaehlt Pierer freimuetig. Nirgendwo sonst hat sich der Konzernchef so konkret und mit persoenlicher Verantwortung auf ein Ziel festgelegt. Wird das verfehlt, ist Pierers Glaubwuerdigkeit als Erneuerer von Siemens dahin. Sein Risiko ist gross. Branchenexperten wie Goldman Sachs sind "nicht ueberzeugt vom Anspruch des Managements, 1995/96 die Gewinnschwelle zu ueberschreiten". Die Analysten machen es sich leicht. Zum Wohle einer hoeheren Rendite solle Siemens sich doch von den Verlustbereichen trennen: "Die entscheidende Forderung ist Amputation."