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Premiere senkt die Preise

20.06.2006
Premiere senkt die Preise. Nach dem Verlust der Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga an den neuen Konkurrenten Arena im vergangenen Dezember zieht Vorstandschef Georg Kofler nun die Konsequenzen und präsentierte in Berlin die neue Angebots- und Preisstruktur des Senders.

Ab August soll es fünf Programmabonnements ab jeweils 9,99 Euro pro Monat geben, darunter auch wieder ein Fußball-Paket. Das Komplettabo soll 34,99 Euro statt bisher 45 Euro kosten. Mit signifikanten Umsatzeinbußen wegen des Verlustes der Bundesliga-Rechte fürs Pay-TV rechnet der Senderchef nicht. Die Aktien von Premiere gaben am Dienstag deutlich nach.

Kunden, die bisher Premiere Komplett oder das Fußball-Paket abonniert hatten, könnten ab August in die neuen Tarife wechseln, sagte Kofler. Für die übrigen Kunden bleibe bis zum Auslaufen ihrer Verträge alles wie bisher. Jedes der fünf neuen Einzelpakete ("Blockbuster", "Entertainment", "Sport", "Thema" und "Fußball International") soll einzeln gebucht werden können.

Unklar bleibt weiterhin, wie das Bundesliga-Angebot zusammen mit der Deutschen Telekom künftig aussehen wird. "Über Preise und Konditionen werden Deutsche Telekom und Premiere gemeinsam informieren - und zwar zeitnah nach Abschluss der Fußball-WM." Der Sender hatte sich Mitte Mai mit der Telekom, die die Internetrechte an der Bundesliga hält, auf eine Ausstrahlung der Bundesliga-Spiele über das neue Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetz der Telekom geeinigt. Unklar ist allerdings, wie viele Kunden Premiere tatsächlich auf diesem Weg erreichen kann.

Hier gab sich Kofler kämpferisch. Der Empfang des neuen Angebotes sei eventuell auch schon über einen schnellen ADSL-Anschluss möglich. Damit wären bereits in der ersten Jahreshälfte 2007 rund 30 bis 50 Prozent der Premiere-Kunden zu erreichen. IPTV werde im Augenblick zwar noch als "Nischenprodukt" belächelt, habe aber das Potenzial zum Massenmarkt.

Bis vor kurzem hatte Premiere auf ein Bundesliga-Comeback durch die Hintertür gehofft. Denn die Telekom könnte theoretisch das Internet-Signal auch über Kabel und Satellit übertragen. Damit hätten Premiere und die Telekom ein deutlich größeres Publikum erreichen können. Die Telekom hatte aber darauf verzichtet und sich im Gegenzug von der Deutschen Fußball Liga einen nachträglichen Rabatt auf die Online-Rechte gewähren lassen und tritt künftig als Bundesliga-Sponsor auf.

Zurückhaltung bei Prognose

Eine konkrete Prognose auf die Geschäftsentwicklung wollte Kofler zunächst nicht wagen. Dies sei frühestens einige Wochen nach dem Start der neuen Bundesliga-Saison möglich. Zunächst bleibe es bei der Vorhersage von 3,35 bis 3,45 Millionen Abonnenten zum Jahresende, sagte er. Der bisherige Geschäftsverlauf im zweiten Quartal gebe bislang jedenfalls keinen Anlass für eine Prognose-Änderung. Die Umsatzeinbußen sollen sich in Grenzen halten. So sei beim Umsatz je Kunde (ARPU) im oberen Preissegment ab 35 Euro im Monat zwar mit Rückgängen zu rechnen. Diese dürften aber durch Verbesserungen im unteren und mittleren Preissegment weitgehend kompensiert werden.

Kofler schränkte allerdings ein: "Wir müssen erst Erfahrungen sammeln, wie dieses Preismodell angenommen wird." Auch der Erfolg des neuen Konkurrenten Arena, der im vergangenen Dezember den Zuschlag für die Pay-TV-Rechte erhalten hatte, spiele eine Rolle. Premiere werde seine Prognose also im Herbst überprüfen und bei Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal Anfang November gegebenenfalls aktualisieren. Dann sei auch mit einem Ausblick auf 2007 und 2008 zu rechnen.

Die Börse reagierte skeptisch auf die Aussagen Koflers. Die Aktien des Bezahlfernsehsenders sanken bis gegen 12.30 Uhr um 4,79 Prozent auf 8,35 Euro. Damit waren die Titel Schlusslicht im MDAX. (dpa/tc)