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Premiere geht bei Bundesliga-Rechten auf Arena und Telekom zu

23.01.2006
Der Bezahlsender Premiere geht nach dem Verlust der Bundesliga-Rechte auf die neuen Lizenzinhaber Arena und Deutsche Telekom zu.

"Wir werden in den nächsten Wochen konkrete Gespräche mit den Rechteinhabern suchen", sagte Premiere-Chef Georg Kofler am Montag am Rande einer Veranstaltung in München. Er sei zuversichtlich, eine Einigung mit der Arena-Mutter Unity Media erzielen zu können. Die Aktie des Unternehmens legte daraufhin deutlich zu.

"Es gibt sehr viele gute Gründe, warum Unity Media mit Premiere reden sollte", sagte Kofler weiter. Premiere habe Arena eine Menge zu bieten. So seien bei dem Bezahlsender Know-how und Ausrüstung für die Produktion von Fußball-Sendungen vorhanden. Außerdem verfüge Premiere über die entsprechende Satellitenplattform zur Ausstrahlung des Programms. "Ich denke, wir sind ein attraktiver Partner." Für eine Nutzung der Premiere-Plattform wären allerdings Gebühren fällig. Kofler nannte dafür einen jährlichen Betrag im zweistelligen Millionenbereich. Auch über eine mögliche Nutzung von Premiere-Digital-Receivern werde zu reden sein.

In der vergangenen Woche hatte Arena-Chef Parm Sandhu noch gesagt, nicht mit dem unterlegenen Bezahlsender über eine Übertragung der Bundesliga via Satellit zu verhandeln. Die Arena-Muttergesellschaft Unity Media stehe dagegen in direkten Verhandlungen mit Astra und anderen Satellitenfirmen. Arena hatte kurz vor Weihnachten von der Deutschen Fußball Liga (DFL) überraschend den Zuschlag für die Bundesliga-Rechte im Bezahlfernsehen von der Saison 2006/2007 an erhalten.

Der Verlust der Bundesliga-Rechte habe bislang nicht auf die Abonnentenzahlen durchgeschlagen, sagte Kofler weiter. "Wir haben keinerlei Ausreißer in Sachen Kündigungen." Zuletzt hatte Premiere rund dreieinhalb Millionen Abonnenten. Das Papier von Premiere war im Dezember nach Bekanntgabe der Entscheidung der DFL um mehr als 40 Prozent eingebrochen. Die Übertragung der Bundesliga gilt als eines der wichtigsten Produkte des Bezahlsenders. Das Weihnachtsgeschäft sei gut gelaufen, ergänzte der Vorstandschef. "Wir haben keinen Grund traurig zu sein."

Mit Blick auf die Übertragung der UEFA Champions League und einen möglichen Einstieg ins Free-TV sagte Kofler, hier sei in den kommenden sechs Wochen mit Neuigkeiten zu rechnen. Bislang hat sich Kofler sowohl die Möglichkeit offen gehalten, einen eigenen Sender aufzubauen als auch zuzukaufen. Premiere hat der UEFA garantiert, pro Saison 13 Spiele live im Free-TV zu zeigen - das entspricht einer Begegnung pro Spielrunde. Erfüllt Premiere die Voraussetzung nicht, hat die UEFA die Option, die Free-TV-Spiele an einen anderen bestehenden Sender weiterzulizenzieren.

Bis gegen 15.00 Uhr legte die Premiere-Aktie um 4,34 Prozent auf 12,73 Euro zu und notierte damit an der MDAX-Spitze. Dagegen sank der MDAX um 0,87 Prozent auf 7.602,03 Punkte.

Händler bewerteten diese Neuigkeit positiv. "Für Premiere ist extrem wichtig, wieder ins Fußballgeschäft zu kommen", sagte ein Börsianer. Die Chancen dafür seien nun wieder etwas gestiegen. Ein anderer Marktteilnehmer erklärte: "Die Premiere-Aktie reagiert zur Zeit ständig auf solche Meldungen zu Bundesliga-Rechten, morgen kann das aber wieder ganz anders aussehen." Bei dem MDAX-Wert handele es sich daher "in gewisser Weise um ein Zockerpapier". (dpa/tc)