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Premiere-Chef Kofler kann durchatmen

08.02.2007
Ein gutes Jahr nach der Niederlage im Wettpokern um die Fußball-Bundesliga hat Premiere Chef Georg Kofler die Scharte ausgewetzt.

Schon an diesem Freitag kann der Bezahlsender seinen Abonnenten über Satellit in ganz Deutschland die Partie Hannover gegen Wolfsburg präsentieren - eine Einigung mit dem Erzrivalen arena macht es möglich. Kofler versuchte, Triumphgefühle zu vermeiden: "Uns ist nicht nach Jubeln zumute, aber wir sind richtig guter Laune." Die Zeit weitgehend ohne Bundesliga sei nicht einfach gewesen. "Wir haben aber bewiesen, dass wir mal den Atem anhalten können, ohne gleich umzufallen."

Die neue Allianz zeigt, dass die Felle in der Medienbranche neu verteilt werden. Die Zeit, in der Premiere Pay-TV-Inhalte und die technischen Plattformen für ihre Verbreitung allein dominierte, sind vorbei. Die Kabelgesellschaften drängen als mächtige und finanzstarke Mitspieler aufs Feld. So steht hinter arena der Kabelnetzbetreiber Unity Media. Auch die Deutsche Telekom drängt ins Mediengeschäft. Ständig formieren sich neue Allianzen. Bei der einen Kooperation stellt Premiere das Programm zur Verfügung und lässt es von anderen vermarkten, ein anderes Mal stellt der Konzern die technische Plattform für fremde Inhalte - zum Beispiel für die Bundesliga-Berichterstattung von arena. Kofler ist aber überzeugt, dass Premiere bei diesem Wildwuchs in der deutschen Medienlandschaft auch in Zukunft eine dominierende Rolle spielen wird. "Auf der bunten Wiese blühen viele Blumen und in der Mitte steht eine Eiche - nämlich Premiere."

Alle Beteiligten sehen sich offiziell als Gewinner. "Das ist eine Win-win-Situation", meint Unity-Chef Parm Santhu. Ähnlich klang es am Donnerstag bei den anderen beteiligten Unternehmen. Premiere kann das arena-Bundesliga-Programm künftig in ganz Deutschland über Satellit und in 14 von 16 Bundesländern auch über Kabel vermarkten. "Wir sind wieder im Spiel", frohlockte Kofler und korrigierte gleich einmal die Prognosen für das Abonnentenwachstum nach oben. arena wiederum war mit der Satelliten-Verbreitung auf eigene Faust nicht entscheidend vorangekommen und erreicht jetzt deutlich mehr potenzielle Zuschauer. "Damit ist arena nach nicht einmal sechs Monaten Sendezeit endgültig eine feste Größe in der deutschen Fernsehlandschaft und als Pay-TV-Sender etabliert", meinte arena-Geschäftsführer Dejan Jocic.

Doch natürlich hat die derzeitige Regelung auch für alle Beteiligten Schattenseiten. Premiere muss den Großteil der Einnahmen aus dem Bundesliga-Angebot weiter an arena überweisen. Für arena wird es wiederum schwieriger, die massiven Investitionen wieder hereinzuholen, wenn ein Teil der Einnahmen beim Wettbewerber Premiere hängen bleibt. "Strategisch ist es eine Schwächung von arena", meinte denn auch ein Branchenexperte.

Obwohl das Wettbieten zwischen Premiere und arena zu nochmals höheren Übertragungspreisen geführt hat, könnte denn auch der größte Gewinner der Zuschauer sein. Es sei ein Verdienst von arena, die Hochpreispolitik von Premiere aufgebrochen zu haben, sagt Unity-Chef Santhu. Auch Kofler räumt ein, Premiere sei heute dank des neuen Wettbewerbs in Sachen Preispolitik und Marketing besser aufgestellt als zuvor. (dpa/tc)