Kindle fire

Preiskampf und viele Fragen nach Amazons Tablet-Paukenschlag

29.09.2011
Der Online-Händler Amazon hat die IT-Welt mit seinem eigenen Tablet-Computer "Kindle fire" gehörig aufgewühlt.
Den Kindle fire (ganz rechts) gibt es einstweilen nur in den USA.
Den Kindle fire (ganz rechts) gibt es einstweilen nur in den USA.
Foto: Amazon.com

Nachdem sich der erste Rauch verzogen hat, stapeln sich aber offene Fragen. Wird das kleinere und einfachere Gerät es wirklich mit Apples hochpoliertem iPad aufnehmen können? Oder spielen technische Details bei einem Geräte-Preis von nur 199 US-Dollar überhaupt keine Rolle? Und verdient Amazon mit einem so günstigen Gerät überhaupt Geld - oder wird das Tablet unter Verlust in den Markt gedrückt, in der Hoffnung, das Geld später über die Inhalte wieder reinzubekommen?

Der Eindruck, dass Amazons Einstieg die noch jungen Märkte für Tablet-Computer und digitale Lesegeräte entschieden umgekrempelt hat, bleibt aber. Die Amazon-Ankündigung löste fast augenblicklich Preisabschläge bei Konkurrenten aus. Der Buchhändler Barnes & Noble will für seinen E-Book-Reader Nook mit Farbbildschirm jetzt 25 Dollar weniger. Das Lesegerät kostet mit 224 Dollar aber immer noch mehr als der Kindle fire und kann weniger. Der Blackberry-Anbieter Research In Motion (RIM) erließ bei seinem Playbook-Tablet im Angebot der Elektronik-Kette Best Buy gleich 200 Dollar, das günstigste Gerät kostet auch danach noch 299 Dollar.

Es ist ein klares Zeichen: Amazon hat mit seiner Frontalattacke das Preisniveau im Tablet-Geschäft dauerhaft verändert. Die 199 Dollar scheinen einfach ein zu gutes Angebot zu sein. Ob Amazon dafür draufzahlen muss, ist umstritten. Branchenanalyst Gene Munster von der Investmentfirma Piper Jaffray schätzt, dass der Online-Händler pro Gerät einen Verlust von 50 Dollar in Kauf nimmt. Andere Experten glauben, dass Amazon zwar immer noch einen Gewinn erwirtschaftet - aber einen deutlich dünneren als Apple bei seinem iPad. Bei Amazon weicht Kindle-Vizepräsident David Limp der Frage aus: Man habe sich nie das Ziel gesetzt, mit jedem einzelnen Produkt und jedem einzelnen Dienst schwarze Zahlen zu schreiben.

Bleibt die Frage, ob Apple die Käufer überzeugen kann, weiterhin einen deutlichen Aufpreis zu zahlen, denn für ein iPad werden zwischen 500 und 800 Dollar fällig. Gartner-Analyst Michael Gartenberg sieht Apples Vormachtstellung durch das Amazon-Gerät im Gegensatz zu manchen anderen Experten vorerst nicht in Gefahr. "Das ist kein iPad-Killer." Aber: Das Kindle Fire könne auch so äußerst erfolgreich sein. "Der Verlierer hier sind, wenn überhaupt, Google und das Android-Ökosystem." Android-Hersteller hatten schon in den vergangenen Monaten arge Probleme, die Kunden für ihre Tablets in Preisbereichen des iPad zu begeistern. Amazon packt hingegen in sein 200-Dollar-Tablet auch noch den Zugang zu einer ähnlichen Inhalte-Vielfalt, wie man sie von Apples iTunes-Plattform kennt.

Hinter dem Rummel um den Einstieg ins Tablet-Geschäft bekam eine andere Amazon-Ankündigung deutlich weniger Aufmerksamkeit, die aber in Zukunft noch für viel Zoff mit Datenschützern sorgen könnte. Um das Navigieren im Internet auf dem Fire schneller zu machen, entwickelte Amazon einen eigenen Browser mit dem Namen "Silk", wie "Seide". Die Idee ist, dass die riesigen Rechenzentren von Amazon dem Tablet einen Teil der Arbeit abnehmen, wenn es darum geht, eine Webseite mit vielen komplexen Inhalten aufzubauen.

Ein Nebeneffekt ist allerdings, dass dafür der Internet-Verkehr auch über Amazon laufen muss. Amazon zufolge werden daher Informationen wie zum Beispiel die angesteuerten Web-Adressen für 30 Tage auf den Servern gespeichert - und das bedeute zum Beispiel, dass US-Behörden im Ermittlungsfall Zugriff auf sämtliche Daten von Nutzern bekommen könnten, betonte die IT-Sicherheitsfirma Sophos. (dpa/tc)