Audi, VW, McDonald, Fiat

Praxisbeispiele für Virtual Reality

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Sinnvolle Use Cases und Umsetzungsmöglichkeiten für die Arbeit mit der Datenbrille sind noch Mangelware, wie Deloitte feststellt. Auch Marktpotenzial und Zukunftsvisionen sind unklar.

"Virtual-Reality-(VR)-Brillen lösen derzeit riesige Begeisterungswellen aus", schreiben die Berater von Deloitte in der Studie "Head Mounted Displays in deutschen Unternehmen". Das Papier - eine Kooperation mit dem Bitkom und Fraunhofer - versteht sich als Bestandsaufnahme eines noch schwer greifbaren, dynamischen Segments. Deloitte rechnet bis 2020 mit einem Investitionsvolumen von knapp 850 Millionen Euro.

Deloitte sieht vielfältige Einsatzmöglichkeiten für Head Mountained Displays im B2B-Bereich.
Deloitte sieht vielfältige Einsatzmöglichkeiten für Head Mountained Displays im B2B-Bereich.
Foto: Deloitte

Dabei erhebt die Bestandsaufnahme vor allem offene Fragen. Das Marktpotenzial im Bereich B2B, sinnvolle Use Cases, die Unterscheidung von Umsetzungsmöglichkeiten einerseits und reinen Zukunftsvisionen andererseits - solche Aspekte seien "nach wie vor unbeantwortet", stellt Deloitte fest. Die Schwierigkeiten beginnen schon bei der Begriffsklärung. Die Berater wollen Virtual von Augmented Reality abgrenzen, und letztere wiederum von Augmented Virtuality. Mixed Reality gibt es außerdem. Diese Definitionen seien aber weder selbsterklärend, noch würden sie einheitlich genutzt.

Während also in der Theorie noch definiert wird, legen die ersten Praktiker los. Deloitte nennt eine ganze Reihe Beispiele für den Einsatz von Datenbrillen, wie auch immer die Hardware dann genau aussehen mag. Die Beispiele stammen aus den unterschiedlichsten Branchen.

Marketing in McDonald's Happy Meal: In Schweden bietet die Fastfood-Kette eine limitierte Version des Happy Meal an. Die Schachtel lässt sich in eine Brille im Stil des Google Cardboard (Halterung aus Karton) umfalten. Dazu gibt es ein Ski-Game, das in alpinen Virtual Reality-Welten spielt.

Audi-Händler mit virtueller Produktpräsentation: Autobauer können ihre Modelle schon vor Markteintritt zeigen und mit individualisierte Präsentationen bewerben. Audi stellt seinen Händlern VR-Stationen bereit, an denen sie spezifische Fahrzeugkonfigurationen darstellen können.

Schulungen bei National Grid: Der britische Übertragungsnetzbetreiber National Grid nutzt virtuelle 3D-Modelle im Training der Mitarbeiter. Die Kollegen führen Montage- und Wartungsarbeiten in einer "realistischen" Umgebung durch.

FIAT unterstützt den Designprozess: Ein Auto ansehen, bevor es gebaut wurde - dafür nutzt FIAT Virtual Reality. Der Konzern vergleicht schon früh im Designprozess verschiedene Konfigurationsmöglichkeiten.

Zusammenarbeit bei Ford: Bei Ford arbeiten Kollegen aus Standorten überall auf der Welt mithilfe von Virtual Reality gemeinsam am Design neuer Autos.

Wartung und Reparaturen auf der ISS: Sowohl das überirdische wie das irdische Team der Internationalen Raumstation ISS nutzt die Holo-Lens von Microsoft. Im Remote-Expert-Modus können Ingenieure am Boden per Bildübertragung sozusagen aus den Augen der Astronauten sehen, um ihnen bei Wartungsarbeiten zu helfen. Die Raumfahrer wiederum bekommen im Procedure-Modus Informationen als holografische Illustration in ihr Sichtfeld.

Im Lager von Volkswagen: Lagerarbeiter bei Volkswagen, die Smart Glasses tragen, haben beide Hände frei. Sie bekommen Informationen über den Entnahmeplatz oder die Nummer eines Teils direkt in der Brille eingeblendet. Diese Form der Unterstützung ist freiwillig.

In der Produktion von Airbus: Airbus hat die Zeitspanne für die Markierung der Einbauorte von Kabineneinrichtungen im A330 auf ein Sechstel gesenkt. Auch hier tragen die Monteure Smart Glasses.

Die Gefahr der Desillusionierung des Marktes

Deloitte sagt Virtual, Augmented und Mixed Reality binnen fünf Jahren die Entwicklung zu einem signifikanten Markt mit Zuwachsraten von 37 Prozent jährlich voraus. Knapp 90 Prozent des Umsatzes im B2B-Bereich wird auf Entwicklung, Lizenzierung und Maintenance spezifischer Unternehmenslösungen entfallen. Schließlich seien diese nicht "von der Stange" implementierbar, sondern müssten individuell umgesetzt werden.

Jedoch merken die Berater an, der aktuelle Hype um solche Technologien produziere immense Erwartungen. "Sofern diese nicht überzeugend erfüllt werden, besteht die Gefahr einer Desillusionierung von Markt und Endverbrauchern", schreibt Deloitte.