Wann Cloud-Lösung zu empfehlen sind

Praxis-Tipps für die Cloud-Beratung

Regina Böckle durchforstet den Markt nach Themen, die für Systemhäuser und Service Provider relevant sind - oder es werden könnten - und entwickelt dazu passende Event-Formate.
Wann lohnt sich für den Kunden der Einsatz einer Cloud-Lösung? Wie lässt sich herausfinden, ob die bestehende Infrastruktur dafür geeignet ist? Der Cloud-Architekt Georg Deil, Senior Business Consultant bei der Direkt-Gruppe, hat dafür ein Analyse-Verfahren entwickelt.
Georg Deil, Senior Business Consultant bei der Direkt Gruppe
Georg Deil, Senior Business Consultant bei der Direkt Gruppe
Foto: Direkt-Gruppe

Das Thema Cloud rückt in den letzten Jahren ständig höher auf der Prioritätenliste der CIOs und IT-Verantwortlichen. In den vergangenen Jahren sind die Rufe aus den Fachabteilungen nach schnellem und kostengünstigem Bereitstellen neuer Services leiser geworden, beobachtet Georg Deil, Senior Business Consultant bei der Direkt-Gruppe.
"Viele Fachabteilungen sind dazu übergegangen, statt mit lautstarken Forderungen gegenüber der internen IT ihre Ansprüche anderweitig zu erfüllen", sagt der Chefberater bei der Direkt-Gruppe, eine Gesellschaft für IT-Strategie- und Organisationsberatung. Dabei werden über externe Online-Portale die benötigten Services eingekauft. Das geht meistens schnell und unkompliziert. Sogar mit Services wie Dropbox etwa für den Datenaustausch mit Konzerntöchtern oder externen Partnern. Doch aus Sicht des Datenschutzes und der Datensicherheit ist dies hochproblematisch.

Rezepte gegen unkontrolliertes Abwandern in die Cloud

Um diese Entwicklungen zu unterbinden, benötigen Unternehmen klare Richtlinien. Doch vielen IT-Abteilungen fehlten Vorgaben sowie notwendige, attraktive Lösungen und einfache Bestellportale, weiß Deil. Der 42-Jährige hatte bei seiner Arbeit als IT-Consultant bereits tiefe Einblicke. Zweck der Lösungen solle es sein, die Fachabteilungen auf die eigenen Angebote zu lenken und das "Abwandern" zu IT-Services aus der Public Cloud zu vermeiden.

Deshalb suchen Unternehmen nach agilen IT-Infrastrukturen und versuchen ihr Glück mit Cloud-Lösungen. "Zumal der Begriff nicht klar ist. Hier gibt es mittlerweile sehr unterschiedliche, gute Ansätze, die aber nicht zu verwechseln sind", betont der Manager.
Die Mehrzahl der aktuellen Cloud-Projekte sei primär kostengetrieben, konstatiert er. Deshalb schössen die Anstrengungen meist am eigentlichen Ziel vorbei, schnell kundengerechte IT-Services anbieten zu können. Oft verbleibe die IT-Organisation daher nach einem Cloud-Projekt in einer Parallelwelt zwischen Cloud- und alter IT-Umgebung. Denn letztlich fehle die konsequente und ganzheitliche Umsetzung in Organisation, Service und Technologie.

Eine weitere Fehlerquelle beim Planen von Cloud-Projekten verberge sich im Streben nach sofortiger Perfektion. "Eine agile, kundenorientierte IT-Ausrichtung benötigt Zeit und ist von hoher Bedeutung für viele Unternehmen", sagt der langjährige Virtualisierungs- und Cloud-Spezialist. Ansonsten gestalte es sich schwierig, ein für alle Parteien zufriedenstellendes Ergebnis zu erreichen.

Wie der Aufbau einer Cloud-Architektur gelingt

Um erfolgreich in die Cloud-Ausrichtung zu starten, bedürfe es nicht gleich zu Beginn eines Multi-Millionen-Euro-Budgets, wie Deil betont. Mit vielen seiner Kunden baue er eine Cloud iterativ, also schrittweise, auf. Wichtig dabei: Eine klare Strategie und ein Phasenmodell, das geplante Leistungsbausteine fokussiert. Die Ziele müssten dabei für alle Beteiligten im Unternehmen transparent sein: Was in den einzelnen Phasen erreicht werden soll und wie konkret der Wertbeitrag der IT dadurch gesteigert wird. "Sinnvollerweise starten die meisten hier mit dem Ziel, eine Infrastructure as a Service, also IaaS-Plattform aufzubauen", rät der IT-Experte.

Cloud-Projekte berühren alle Unternehmensbereiche, die IT-Services nutzen. Da mit dem ersten Cloud-Projekt auch ein kultureller Wandel hin zu einem agilen IT-Servicemanagement in den IT-Abteilungen Einzug hält, muss die Belegschaft mit viel Einfühlungsvermögen vorbereitet und frühzeitig eingebunden werden, empfiehlt der Hanseate. "Die Teams müssen die Hintergründe für alle Änderungen genau verstehen und Vertrauen in die neue Lösung haben. Nur so können sie die Fachbereiche überzeugen", konstatiert der Cloud-Architekt.

Cloud-Readyness Analyse

Die Virtualisierung, die in den vergangenen Jahren in Rechenzentren stark ausgebaut wurde, ist sehr wichtig im Hinblick auf die dringend notwendige Standardisierung. Bestimmte Unternehmen seien jedoch besser beraten, bereits verfügbare Angebote bei einem etablierten Anbieten zu beziehen. Dann besteht kein Grund für eine eigene IaaS-Plattform.

Unternehmen können mit vielen unterschiedlichen Schwerpunkten ihre IT-Dienstleistungen durch eine Cloud-Lösung verbessern. Eine gründliche Analyse zeigt, was im Einzelfall sinnvoll ist. Quelle: Direkt-Gruppe
Unternehmen können mit vielen unterschiedlichen Schwerpunkten ihre IT-Dienstleistungen durch eine Cloud-Lösung verbessern. Eine gründliche Analyse zeigt, was im Einzelfall sinnvoll ist. Quelle: Direkt-Gruppe
Foto: Direkt-Gruppe

Um diese Frage für eine fundierte Entscheidung zu klären, bietet die Direkt-Gruppe ihren Kunden die Cloud Readyness Analyse (CRA) an. Auf einer Skala von eins bis fünf zeigt diese Analyse, wie der Reifegrad in der IT-Organisation über die sieben wichtigsten Perspektiven einzuordnen ist. "Am besten ist es, wenn alle Kategorien gleich stark ausgeprägt sind, das heißt, ein gleichmäßiges Netz ergeben", so Deil.
Entscheidungen, wie zur eigenen Cloud-Plattform, stellen wichtige strategische Weichenstellungen dar, die sorgsam getroffen werden müssen. "Mit dem Ergebnis aus unserer Cloud Readyness Analyse ist klar erkennbar, wo die Stärken und Schwächen liegen und was zum Erreichen eines definierten Cloud-Levels unternommen werden muss", erklärt Cloud-Spezialist Deil.

Dafür führen er und seine Kollegen Interviews mit Ansprechpartnern aus verschiedenen Abteilungen und Hierarchien mit Hilfe des CRA-Fragenkatalogs durch. Dabei wird der Ist-Zustand ermittelt und geklärt, inwieweit die IT-Strategie durch den Cloud Ansatz unterstützt werden soll. Die auf Basis der gewonnen Informationen erstellte Management-Präsentation verbessert die Entscheidungsbasis für die Verantwortlichen enorm. Sobald die grundsätzlichen, strategischen Entscheidungen getroffen wurden, erfolgt eine kaufmännische Bewertung durch einen traditionellen Business Case.

Immer wieder analysieren

Deil empfiehlt zudem: "Idealerweise wird die Cloud Readyness Analyse in regelmäßigen Abständen wiederholt. So lässt sich der Weg in die Cloud sehr gut messen, und die über die Zeit erzielten Verbesserungen und Fortschritte werden transparent." Sein Ziel: Das sonst so komplexe Thema Cloud wird somit auf ein handhabbares Niveau gebracht. Und Risiken durch Fehlentscheidungen sollen sich stark minimieren. (rb)