Karrierewege

Praktikum - der leichte Karrierestart

24.11.2011 | von 
Ingrid Weidner arbeitet als freie Journalistin ín München.
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Auf Kaffee kochende Praktikanten trifft man in der IT-Branche relativ selten. Für viele Studenten ist das Praktikum die Eintrittskarte zum Job, wie vier unterschiedliche Karrierewege zeigen.

David Roosen: Erst die Promotion, dann das Praktikum

Foto: Fotolia.de/Benicce

Als sich David Roosen für ein Praktikum bewarb, löste das bei manchen, die davon hörten, Verwunderung aus, hatte er doch den Doktortitel in theoretischer Physik in der Tasche. DB Systel, der IT-Dienstleister der Deutschen Bahn in Frankfurt am Main, fand die Idee jedoch keineswegs abwegig.

"Ich wollte nach der Doktorarbeit keine akademische Laufbahn einschlagen", sagt Roosen. Nach Physikstudium in Aachen, einem Studienjahr in Madrid, Diplom und Promotion an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main interessierte ihn die IT-Branche. "Ich hatte während meines Studiums schon programmiert, und Studienkollegen waren ebenfalls in die IT gewechselt. Mit einem Praktikum wollte ich ausprobieren, ob es das Richtige für mich ist. Wie das später in meinem Lebenslauf aussieht, daran habe ich nicht gedacht", sagt der heute 31-Jährige. Einige Kommilitonen arbeiten für die Deutsche Bahn in der Fahrplanerstellung, deshalb schaute sich Roosen auf den Bahn-Karriereseiten um. Im Juli 2010 begann er sein sechswöchiges Praktikum bei DB Systel.

Während des Praktikums wurde der Physiker zu einem Assessment-Center für ein neu initiiertes Trainee-Programm eingeladen und ausgewählt. Im September 2010 begann Roosen das einjährige Ausbildungsprogramm. " Als Trainee habe ich viele Bereiche und Kollegen kennen gelernt. In der Abteilung von DB Schenker beispielsweise konnte ich mehr über die Kundenseite lernen, das kommt mir jetzt zugute", erzählt Roosen, der heute im Projekt-Management arbeitet. "Das Trainee-Programm war der richtige Weg, mich in eine neue Welt einzuarbeiten."

"Ich wollte nach der Doktorarbeit keine akademische Laufbahn einschlagen", sagt David Rosen.
"Ich wollte nach der Doktorarbeit keine akademische Laufbahn einschlagen", sagt David Rosen.
Foto: DBSystel

Allerdings muss er heute selbst schmunzeln, wenn er daran zurückdenkt, dass er sich vor eineinhalb Jahren unter einem Job in der IT-Branche vor allem Programmieren vorgestellt hat. "Im Physikstudium habe ich gerne programmiert, doch die damals entwickelten Programme waren selbst gestrickt und lassen sich nicht mit der komplexen Unternehmenssoftware vergleichen. Im Projekt-Management arbeite ich an der Schnittstelle zwischen Kunden und IT, da hilft es mir, dass ich die Grundlagen kenne und verstehe. Doch das Programmieren überlasse ich heute lieber den Profis."

Sabrina Nitschkowski: Gewissheit durch Praxissemester

Sabrina Nitschkowski: "Ich hatte gleich das Gefühl, dass ich mit meiner Persönlichkeit gut in das Team passe."
Sabrina Nitschkowski: "Ich hatte gleich das Gefühl, dass ich mit meiner Persönlichkeit gut in das Team passe."
Foto: Comet Computer

Sabrina Nitschkowski stöberte im Internet nach einer Firma, bei der sie ihr Praxissemester absolvieren konnte. An der Hochschule Karlsruhe studierte sie seit 2008 Technische Redaktion und stieß zufällig auf ein Angebot der Münchner Firma Comet Computer. "Ich habe das Online-Formular ausgefüllt und kurz darauf eine Zusage für das Praxissemester erhalten", erinnert sich die heute 29-Jährige.

In dem kleinen Büro, das Comet Computer in Karlsruhe unterhält, fühlte sich die Studentin auf Anhieb wohl. "Ich hatte gleich das Gefühl, dass ich mit meiner Persönlichkeit gut in das Team passe", erzählt sie. "Ich habe oft sehr spontane Ideen oder ändere meine Pläne. Mein Kollegen geben mir Rückhalt, wir tauschen uns im Team aus, und es ist immer jemand da, mit dem ich über diese Ideen sprechen kann."

Bis zum Studienende im Oktober 2011 jobbte Nitschkowski als Werkstudentin für Comet. "Während des Praxissemesters habe ich an zwölf Projekten mitgearbeitet. Die Aufgaben sind kreativ und abwechslungsreich." Auch wenn ihr Schreibtisch in Karlsruhe steht, arbeitet sie immer wieder vor Ort beim Kunden: "Ich habe mich bewusst für diese Flexibilität entschieden." Drei Tage nach dem Bachelor-Abschluss begann sie in dem bekannten Umfeld mit der Arbeit. "Wir haben keine starren Hierarchien, dafür viele Freiheiten, die auch Verantwortung mit sich bringen. Mir gefällt diese Mischung gut. Ich komme morgens gern ins Büro." Die Berufsanfängerin schätzt auch die flexiblen Arbeitszeiten: "Ich muss mein Privatleben nicht dem Arbeitsleben anpassen. Wenn es das Projekt erlaubt, kann ich mir einen halben Tag frei nehmen und dafür an einem anderen Tag länger arbeiten."

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