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Postbank-Verkauf: Politik liebäugelt mit Commerzbank

18.02.2008
Von pte pte
Der Verkauf der deutschen Postbank http://www.postbank.de durch die Bundesregierung geht in eine neue Runde, wobei die Commerzbank als politischer Wunschkandidat gehandelt wird. Aus Regierungskreisen heißt es, dass man die Postbank, an der die Deutsche Post zu 50 Prozent plus einer Aktie beteiligt ist, nach Möglichkeit noch 2009 verkaufen will. Mit der Akquisition soll erreicht werden, dass neben der Deutschen Bank eine zweite starke und international wettbewerbsfähige Geschäftsbank in Deutschland entsteht, berichtet das Handelsblatt. Eine mögliche Fusion der beiden Konzerne bewerten Insider als größte Fusion in der deutschen Finanzbranche nach dem Kauf der Dresdner Bank durch die Allianz.

"Derzeit ist die Postbank noch nicht öffentlich zum Verkauf ausgeschrieben. Daher ist alles über einen potenziellen Käufer derzeit noch nicht spruchreif. Ob nun die Deutsche Bank oder die Commerzbank mit der Postbank fusioniert, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch offen", sagt Dieter Hein, Geschäftsführer des unabhängigen Research-Unternehmens fairesearch http://www.fairesearch.de , im Gespräch mit pressetext. Dem Experten zufolge wird die Post all ihre Anteile abgeben müssen. "Bei einem Verkauf der Postbank wird nur derjenige kaufen können, der den höchsten Preis zahlt." So hat die Präferenz der Bundesregierung weitreichende Folgen für einen Verkauf der Postbank. Bis 2009 hat Berlin ein vertraglich verankertes Veto-Recht.

Dem Bericht nach führt Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) bereits seit mehreren Monaten Gespräche mit der Commerzbank. Dabei sollen sowohl Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller als auch dessen designierter Nachfolger Martin Blessing beteiligt sein. Vor dem Hintergrund der Folgen durch die US-Subprime-Krise und damit verbundener massiver Probleme der Landesbanken "hat man offenbar eingesehen, dass man Industriepolitik machen muss, wenn man neben der Deutschen Bank einen zweiten nationalen Champion aufbauen will", zitiert die Zeitung einen Bankeninsider. Analysten sehen die Kaufpläne als lukrativ vor dem Hintergrund von 14,5 Mio. Kunden und einem erst Freitag veröffentlichten Rekordgewinn vor Steuern von einer Mrd. Euro für 2007 (Vorjahr: 0,94 Mrd. Euro).

Von aktuellen Spekulationen um eine "Fusion unter Gleichen", wie aus Postkreisen unlängst laut wurde (pressetext berichtete: http://pressetext.at/pte.mc?pte=080206023 ), profitiert der Aktienkurs der Postbank und legte bei Redaktionsschluss dieser Meldung (13:00 Uhr) um 3,11 Prozent auf 62,37 Euro zu. Hein verweist in Anbetracht des Rücktritts von Zumwinkel jedoch auf nicht unmittelbar gestiegene Verkaufschancen der Postbank. "Ich denke, dass unter einer neuen Führung der mögliche Verkauf der Postbank generell infrage gestellt sein könnte", so Hein auf Nachfrage von pressetext. Die Commerzbank besitzt eine Marktkapitalisierung von fast 13 Mrd. Euro, während die Postbank gegenwärtig etwa zehn Mrd. Euro ausmacht. (pte)