Mobile Computing

Positiv denken

Bernd Reder ist freier Journalist mit den Schwerpunkten Netzwerke, IT und Telekommunikation in München.
Viele Unternehmen fangen an zu begreifen, dass Mobile Computing nicht nur Risiken wie etwa Privatgeräte der Mitarbeiter im Firmennetz bedeutet. Sie beschäftigen Experten, um eine Mobile-Enterprise-Strategie zu entwerfen.

Enterprise Mobility ist in deutschen Unternehmen angekommen. Das belegt eine Studie von IDC vom September 2012. Demnach verfügen bereits 40 Prozent der Firmen über eine dezidierte Mobility-Strategie; an die 25 Prozent sind derzeit dabei, die Unterstützung mobiler Mitarbeiter auszubauen. "Die Firmen sind bereit, dafür Geld auszugeben", sagt Jennifer Waldeck, Projektleiterin und Research-Analystin bei IDC Deutschland. "Das schließt die Schulung und Weiterbildung der Nutzer von mobilen Endgeräten und entsprechenden Anwendungen sowie der IT-Abteilung mit ein."

40 Prozent der Firmen verfügen bereits über eine dezidierte Mobility-Strategie; an die 25 Prozent sind derzeit dabei, die Unterstützung mobiler Mitarbeiter auszubauen.
40 Prozent der Firmen verfügen bereits über eine dezidierte Mobility-Strategie; an die 25 Prozent sind derzeit dabei, die Unterstützung mobiler Mitarbeiter auszubauen.
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Während zu Beginn des Hypes ein iPad oder schickes Samsung-Tablet vornehmlich dazu diente, das Image des Nutzers zu fördern, hat sich das Mitte 2012 geändert, so Wolfgang Schwab, Manager Advisor der Beratungsgesellschaft Experton Group: "Nun steht eine ganzheitliche Betrachtung im Sinne des mobiler werdenden Unternehmens im Vordergrund." Entscheidend seien heute nicht die neuesten Geräte, sondern eine Mobile-Enterprise-Strategie, Prozesse und wirtschaftliche Überlegungen.

IT denkt an die Betriebswirtschaft

Diese Entwicklung bleibt nicht ohne Folgen für die Rolle der IT-Abteilung und deren Aufgaben. Ein Effekt: IT-Fachleute sind stärker denn je als Berater gefragt, und das nicht nur auf technischem Gebiet. Schwab kommentiert: "Eine zunehmende Zahl von deutschen Unternehmen sucht für die Umsetzung ihrer Mobile-Enterprise-Strategie Berater, die über einen betriebswirtschaftlichen und prozessorientierten Blickwinkel verfügen, aber auch über das technische Können, um Lösungen vorzuschlagen und umzusetzen." Das bedeutet speziell für IT-Verantwortliche, dass sie sich aus ihrem Technik-Glashaus hinausbewegen müssen und sich nicht auf die technische Umsetzung von "Enterprise Mobility" konzentrieren können.

App-Entwickler statt Programmierer

Vor dieser Herausforderungen stehen allerdings nicht nur firmeninterne IT-Experten. Auch IT-Beratungshäuser und Dienstleister wie Accenture, T-Systems, Atos oder Computacenter sind auf der Suche nach Fachleuten auf Gebieten wie Mobility Consulting. Es bahnt sich somit zwischen Unternehmen und IT-Dienstleistern ein Kampf um IT-Fachkräfte an, die sich auf den Bereich Mobile Enterprise spezialisiert haben.

Doch nicht nur auf der strategischen Ebene bringt der verstärkte Einsatz von mobilen Endgeräten teils drastische Änderungen mit sich. Ein Beispiel ist der Bereich Anwendungsentwicklung. Was auf Unternehmen und IT-Fachleute in Deutschland dort in den kommenden Monaten zukommt, lässt sich bereits heute in den USA beobachten. So verzeichnet die Online-IT-Jobbörse Dice.com seit Anfang des Jahres eine stark steigende Nachfrage nach Entwicklern von mobilen Anwendungen.

Nach Java/J2EE-Fachleuten rangiert diese Sparte inzwischen auf Rang zwei, was die Zahl der Stellenausschreibungen betrifft. "Fast jede Position im Bereich Informationstechnik, die derzeit über unser Portal ausgeschrieben wird, hat einen Bezug zu Mobilitätsstrategien oder Mobile Apps", sagt Alice Hill, Geschäftsführerin von Dice.com. Besonders gefragt sind Fachleute, die Anwendungen beziehungsweise Firmen-Apps für die Mobil-Betriebssysteme Android und iOS (iPhone, iPad) entwickeln oder vorhandene Applikationen an diese Plattformen anpassen.

Allerdings werden an einen Entwickler mobiler Anwendungen höhere Anforderungen gestellt als an den klassischen Softwarefachmann. Eine Herausforderung, mit der sich Softwarespezialisten bei mobilen Anwendungen konfrontiert sehen, ist die Vielzahl unterschiedlicher Systemplattformen. War bis vor wenigen Jahren der Blackberry das Standard-Mobilsystem in vielen Unternehmen, tummeln sich dort heute iPhones und iPads mit dem Betriebssystem iOS, Blackberrys sowie Smartphones und Tablet-Rechner unter Android, Windows Phone 8 oder Windows 8 RT. Das bedeutet, dass Anwendungsentwickler in der Lage sein müssen, Applikationen für die wichtigsten dieser Plattformen zu entwickeln oder vorhandene Anwendungen an Mobilgeräte anzupassen. Häufig unterschätzt wird dabei die Rolle von Großrechnern, über die immer noch ein erheblicher Teil der mobilen Anwendungen bereitgestellt wird.

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