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Polizeisystem Nivadis macht wieder Ärger

21.02.2007
Drei Jahre nach Einführung von Nivadis können die Polizeibeamten in Niedersachsen offenbar immer noch nicht vernünftig mit Nivadis arbeiten. Jetzt will der Landesrechnungshof das Software-Fiasko unter die Lupe nehmen.

Rund 20.000 Beamte seien in den vergangenen zwei Wochen durch den Landesrechnungshof zur Software- und Computerausstattung in den Dienststellen befragt worden, berichtet die "Hannoversche Allgemeine Zeitung". Hintergrund sind offenbar Probleme mit dem "Niedersächsischen Vorgangbearbeitungs-, Analyse-, Dokumentations- und Informationssystem" (Nivadis). Ein Großteil der knapp 60 Fragen, die die Polizisten im Intranet beantworten konnten, geht auf mögliche Probleme mit dem System ein. So wurde beispielsweise gefragt, wie einfach die Software zu bedienen sei, welche Tätigkeiten nicht unterstützt würden und wie viele Systemausfälle in den zurückliegenden drei Monaten passiert seien. Eine Antwortoption für die zuletzt genannte Frage lautet: "Mehr als 30".

Die im September 2003 für über 80 Millionen Euro eingeführte Software bereitete den Verantwortlichen im niedersächsischen Innenministerium von Anfang Sorgen (siehe auch: Polizei strauchelt mit Linux-Projekt). Schon in den ersten Betriebswochen kam es zu Pannen und Performance-Problemen der auf Linux-Systemen basierenden Java-Applikation. Lange Antwortzeiten und fehlende Funktionen verärgerten die Beamten. Während der damals verantwortliche Dienstleister Mummert Consulting und die IT-Verantwortlichen im Polizeiamt für Technik und Beschaffung versprachen, die Mängel innerhalb eines halben Jahres auszuräumen, warnte schon damals Bernhard Witthaut, niedersächsischer Landesbezirksvorsitzender der Polizeigewerkschaft: "Je intensiver das System genutzt wird, desto wahrscheinlicher ist, dass weitere Fehler auftauchen."

Mit dieser Prognose sollte Witthaut recht behalten. Auch in den folgenden Jahren wollte die Kritik an Nivadis nicht verstummen. Das Programm stürze ständig ab, Eingaben würden nicht angenommen und die fehlenden Funktionen seien eine Katastrophe, hieß es immer wieder. Nivadis sei das Produkt von in sich selbst verliebten Computer-Freaks, die keine Ahnung von Polizeiarbeit hätten, schimpfte ein Polizist. "Das System ist unbrauchbar", lautet das Fazit von Witthaut. Es müsse endlich gehandelt werden.

Doch davon wollen die Verantwortlichen allem Anschein nach nichts wissen. Soll der Rechnungshof doch prüfen, wenn er dies als richtig erachte, zitiert das Blatt aus Hannover einen Sprecher des Innenministeriums. Außerdem sind im Haushalt des Bundeslandes für das laufende Jahr zusätzliche 3,63 Millionen Euro für das Polizeisystem eingeplant.

IT-Probleme sind bei den deutschen Polizeibehörden keine Seltenheit. In Bayern gibt es ebenfalls schon seit Jahren Streit wegen der Dienstplanungssoftware "Diplaz" (siehe auch: Polizeisystem Diplaz macht wieder Ärger). Die Berliner Beamten kämpften im Jahr 2005 mit massiven Probleme ihrer "Poliks"-Software (siehe auch: Berliner Polizei hadert mit Poliks). (ba)