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Polizeifunk wird allmählich digital

31.05.2007
Man glaubt es kaum: Nach jahrelangen Verzögerungen soll es beim bundesweiten Aufbau eines flächendeckenden digitalen Behördenfunknetzes nun endlich vorangehen.

Am morgigen Freitag würden die Innenminister der Länder und der Bundesinnenminister voraussichtlich ein entsprechendes Verwaltungsabkommen unterzeichnen, bestätigte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums der "Berliner Zeitung". Durch das Abkommen erhält die im April gegründete "Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben" (BDBOS) grünes Licht für den Aufbau des insgesamt rund vier Milliarden Euro teuren Netzes. So ist die Bundesanstalt nun erstmals in der Lage, wichtige Aufträge zu vergeben. Unter anderem soll im Rahmen einer Ausschreibung eine externe Projektsteuerung gefunden werden. Zudem wird mittelfristig ein Unternehmen gesucht, an das die beim Bundesinnenministerium angesiedelte Bundesanstalt den kompletten Netzbetrieb auslagern kann. Nach Schätzungen von Experten soll allein dieser Teilauftrag ein Volumen von rund einer Milliarde Euro über eine Laufzeit von mehreren Jahren aufweisen.

Zunächst steht jedoch die Errichtung des Netzes an, das – nach neuesten Planungen - spätestens 2011 eine flächendeckende Kommunikation für Polizei, Feuerwehren, Rettungs- und Katastrophenhilfskräfte in ganz Deutschland ermöglichen soll. Bereits im Juni wird die Technik in Hamburg, Berlin und Stuttgart getestet, danach folgen München und Teile von Niedersachsen.

Den Aufbau übernimmt eine Tochter des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS mit Siemens als Sub-Auftragnehmer. Offen ist indes, wie die bestehende Datenverarbeitungs- und Kommunikations-Infrastruktur der Länder-Sicherheitsbehörden in den digitalen Behördenfunk integriert werden soll. Schon aus Kostengründen möchten die Länder und der Bund die bereits bestehenden internen Netze und Datenverarbeitungskapazitäten in das Digitale-Behördenfunk-Projekt einbringen.

Die dafür notwendige, technisch komplizierte Netzkoordination wird voraussichtlich auch in einem Ausschreibungsverfahren von der BDBOS vergeben werden. Als mögliche Auftragnehmer gelten Telekom-Tochter T-Systems, die bereits Ländernetze betreibt, sowie die britische BT Group. (mb)