Beinahe jeglicher US-Computerexport verboten

Politiker haben keine Ahnung von der Technik

30.03.1990

MÜNCHEN (IDG) - SDI war kein Zufall: Amerikanische Politiker haben - wie vermutlich ihre Kollegen überall auf der Welt - keine Ahnung von der Technik, über die sie entscheiden. Wie die Computerworld berichtet, hätten sie jetzt um ein Haar sogar den Export von PCs in befreundete Länder verboten.

Der Schreck war groß, als im Februar ein Unterausschuß des US-Wirtschaftsministeriums entdeckte, daß die Bestimmungen, die er für den Export von Supercomputern in befreundete Länder vorschlagen wollte, nicht nur Cray-Jumbos betrafen, sondern ebenso normale PCs mit ein paar Erweiterungskarten und so gut wie jeden derzeit gehandelten Mainframe.

Die Schuld an dem überzogenen Vorschlag gibt das Ministerium Sicherheitsdiensten, die fürchten, irgendein Student könnte irgendwo auf der Welt mit einem amerikanischen Computer Atomwaffen entwickeln. Wer auch immer dafür verantwortlich war, der Vorfall beweist eine völlige Unkenntnis der High-Tech-Industrie bei denjenigen, die sie politisch kontrollieren sollen.

Wenn es um technische Entwicklungen geht, schreibt die Computerworld, hat das Parlament keine Ahnung. Nicht, daß seine Mitglieder dumm wären - nur seien sie fast alle Juristen, älter als 40 und auf überarbeitete Mitarbeiter angewiesen, die dazu neigten, sie vor komplizierten - technischen Details zu bewahren. Zwischen der realen technischen Welt, in der wir leben, und der Welt der Politiker, die darüber bestimmen, klaffe deshalb ein gewaltiger Abgrund.

Das sei mit eine Schuld der Industrie, schreibt das Blatt weiter, die sich zu wenig in die Gesetzgebungspraxis einmischen würde. Während der Reagan-Administration sei HP-Gründer David Packard der einzige Computer-Kontakt der Regierung gewesen. Erst in letzter Zeit seien weitere dazugekommen, wie etwa der Tandem-Präsident James Treybig, der in einem Beratergremium zu Halbleiterfragen sitzt.

Die Ausbildungsoffensive des Präsidenten solle sich deshalb nicht nur auf Schulkinder beschränken.

Auch Parlament und Regierungsstellen bräuchten dringend eine Weiterbildung, ehe sie mit irreversiblen Fehlentscheidungen wirklichen Schaden anrichten.