Personalsysteme: Teure Änderungen

09.12.1998
Egbert Becker Vorsitzender des Vorstands der Personal & Informatik AG, Wiesbaden

Es muß an der deutschen Gründlichkeit liegen. Anders ist es nicht zu erklären, daß 65 Prozent aller Steuergesetze und Verordnungen, die weltweit erscheinen, in deutscher Sprache gedruckt werden. Davon ist deutsche Software, die mit Steuern zu tun hat, massiv betroffen. Das haben inzwischen auch amerikanische Unternehmen erfahren. Peoplesoft mußte es bei seinem gescheiterten Siemens-Projekt in München erkennen. Es genügt nicht, eine Heerschar von Programmierern zusammenzuziehen und auf das Wunder einer deutschen Abrechnung zu hoffen. Die Konzeption muß auf diese besonderen Bedingungen eingerichtet sein.

Dies gilt für die Struktur der Software und besonders für die Wartungsmöglichkeiten. An neue Gesetzesänderungen, Tarifvereinbarungen und betriebliche Anpassungen muß ein Entgeltsystem laufend angeglichen und in neuen Releases an den Anwender ausgeliefert werden. Hier kann der Hersteller zeigen, was er zu leisten vermag: Eine neue Version zu implementieren und den Datenbestand daran anzupassen dauert je nach Qualität der Software mehrere Wochen - oder wenige Stunden.

Das ist auch eine Geldfrage. Wenn beim Einspielen der neuen Releases anwenderspezifische Änderungen manuell in der Software nachgepflegt werden müssen, wird es teuer. Schon das Überprüfen, ob die Modifikationen im neuen Release funktionieren, kann zeitaufwendig und kostspielig sein, wenn man dazu externe Berater braucht. Es empfiehlt sich dringend, bei der Auswahl eines neues Personalsystems nicht in erster Linie auf die Anschaffungskosten zu achten, sondern auszurechnen, was in den nächsten zehn Jahren insgesamt anfällt.