BASF verkauft 35 Prozent der Anteile

Persetel greift nach der Mehrheit von Comparex

31.07.1998

"Unsere vorrangige Kompetenz liegt im internationalen Chemiegeschäft", heißt es in der offiziellen Verlautbarung des Ludwigshafener Unternehmens. Informationstechnologien stellten dagegen keinen "Kernarbeitsbereich" dar. Mit der Veräußerung von 35 Prozent der bis dato 60prozentigen Beteiligung an die zur südafrikanischen Persetel Q Data Holdings Ltd. gehörende Persetel Deutschland Holding GmbH verfügt BASF nur noch über einen Minderheitsanteil an Comparex.

Die Persetel Q Data Holdings, deren Aktien an der Börse Johannesburg gehandelt werden, soll nach der Transaktion in Comparex Holdings Ltd. umbenannt werden. Unter dieser Bezeichnung strebt das Unternehmen innerhalb der nächsten zwölf Monate ein Listing an einer europäischen Börse an.

Nach der Lesart von BASF geht mit dem Verkauf der Aktienanteile auch die unternehmerische Führung auf Persetel über. Ob es im Management der Mannheimer zu Veränderungen kommen wird, ist nach den Worten von Comparex-Sprecher Gunter Wolf noch nicht entschieden. Geschäftsführer Rolf Brillinger sei "nach wie vor in Amt und Würden". Gravierende organisatorische Maßnahmen seien nicht zu erwarten. Wolf: "Die Standorte in Deutschland stehen nicht zur Diskussion." Comparex ist in Deutschland mit sieben Geschäftsstellen und rund 700 Mitarbeitern vertreten. Weitere 300 Angestellte sind auf die Stützpunkte in Europa verteilt, darunter auch einige in osteuropäischen Staaten.

Wachstumsmöglichkeiten erhofft sich Comparex künftig vor allem bei Netzen und zugehörigen Dienstleistungen. Mit dem neuen Mehrheitsaktionär Persetel, zu dem seit Dezember 1996 auch der Netzwerkintegrator Telemation aus Oberursel gehört, ergäben sich Synergien. Comparex böten sich damit Chancen, die Abhängigkeit vom angestammten Großrechnergeschäft zu reduzieren.

Bedingt durch den Preisverfall von mehr als 50 Prozent sackte der Umsatz mit IBM-kompa- tiblen Mainframes, die alle aus den Labors von Hitachi stammen, im Geschäftsjahr 1997 um rund 19,2 Prozent auf 424 (Vorjahr: 525) Millionen Mark. Abstriche mußte Comparex auch beim Gewinn machen. Er sank um knapp 7,4 Prozent von 53 auf 49,1 Millionen Mark (siehe (CW 18/98, Seite 7).

Daß die mageren Geschäftsergebnisse zur Verkaufsentscheidung beigetragen haben, bestreitet man bei BASF. "Die Bereinigung des Produktportfolios und der Ausbau der Verbundstrategie standen im Vordergrund", kommentierte ein Sprecher. In der Branche kursieren jedoch nicht erst seit dem Persetel-Deal Gerüchte, der Chemieriese werde sich im Zuge der seit längerem angestrebten Konzentration auf Kernkompetenzen ganz aus dem Comparex-Engagement zurückziehen. Nach Angaben des BASF-Sprechers gibt es diesbezüglich "derzeit keine Pläne". Gleichwohl wird diese Option nach den jüngsten Entwicklungen wahrscheinlicher.

Für Felix Hamann, Geschäftsführer des Marktforschungsunternehmens Input Deutschland, wäre dies ein logischer Schritt: "Man kann davon ausgehen, daß BASF sich auch von den restlichen Anteilen trennt." Eine Minderheitsbeteiligung, die ohnehin keine direkte Einflußnahme mehr zulasse, gibt nach seiner Auffassung keinen Sinn. Unter dem Druck der Aktionäre würden solche Beteiligungen zunehmend unpopulär. Hamann sieht hier Parallelen zu Konzernen wie Daimler-Benz und VW mit deren angeschlossenen IT-Dienstleistern Debis und Gedas. Mit dem Zwang zur Erhaltung des Shareholder Value sei die Veräußerung von Geschäftsbereichen, die nicht zum Kerngeschäft gehören, in der Industrie zu einem der großen Trends geworden. So ist es kaum verwunderlich, wenn andere Branchenexperten zwischenzeitlich erfahren haben wollen, daß die Verhandlungen zwischen BASF und Hitachi über den Erwerb der restlichen Comparex-Anteile längst angelaufen sind.

Persetel

Die Persetel Q Data Holdings Ltd. ist mit rund 6000 Beschäftigten der größte südafrikanische Anbieter von IT-Produkten und -Dienstleistungen. Das Unternehmen ist 1997 aus der Fusion der Persetel Holding mit der südafrikanischen Q Data Holdings hervorgegangen. In den vergangenen Jahren bemühte sich der Konzern um eine Ausweitung der Geschäfte auf den europäischen und amerikanischen Wirtschaftsraum.