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Peregrine enthüllt Turnaround-Pläne

19.03.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der zahlungsunfähige Softwareanbieter Peregrine hat seine neue Produkt-Roadmap bis März 2004 vorgestellt. Das kalifornische Unternehmen plant, das Angebot deutlich zu verkleinern und sich auf seine Hauptprodukte, die Softwaresuites "Servicecenter" und "Assetcenter", zu konzentrieren. Wie Marketing-Chefin Nicole Eagle erklärte, reagiert Peregrine damit auf die Bedürfnisse der Kunden, ihre IT-Kosten in den Griff zu bekommen. Zwar werde die Software nach wie vor auch stückchenweise angeboten, die Company konzentriere sich jedoch darauf, die Integration der einzelnen Komponenten zu fördern, indem sie sie in Gesamtpaketen zusammenfasst. Peregrine folge damit dem Beispiel der ERP-Anbieter, so Eagle. Diese hätten ebenfalls zunächst nur Punktlösungen angeboten, würden nun aber zu besser integrierten Lösungen tendieren, die modular eingesetzt werden könnten.

Die kalifornische Softwareschmiede hatte im Mai vergangenen Jahres Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen eingeräumt. Daraufhin nahm der Exodus bei Peregrine seinen Lauf: Chairman Stephen Gardner und Finanzchef Matthew Gless traten kurze Zeit später wegen Unregelmäßigkeiten in den Büchern zurück, gefolgt vom Firmenchef und dem größten Teil des Verwaltungsrats. Peregrine verlor seine Notierung an der US-Nasdaq und musste wegen Überschuldung Gläubigerschutz nach Kapitel elf des US-Konkursrechts beantragen. Um finanziell wieder auf die Beine zu kommen, wurde fast die Hälfte der Belegschaft entlassen und ein Großteil der Vermögenswerte, darunter die E-Business-Sparte und den Anbieter von Service-Management-Lösungen Remedy, verkauft. Anfang März diesen Jahres korrigierte das Unternehmen mit Sitz in San Diego dann seine Einnahmen in den Geschäftsjahren 2000 und 2001 um insgesamt 509 Millionen Dollar oder 40 Prozent nach

unten.

Colleen Niven, Analystin bei AMR Research, ist zuversichtlich, dass Peregrine der Turnaround gelingen wird. Ihrer Einschätzung nach hat der Großteil der Kunden trotz der Skandale dem Anbieter die Treue gehalten haben. Statt das sinkende Schiff zu verlassen, warteten sie ab, was mit den Produkten passiere. Nivens Kollege, IDC-Analyst Fred Broussard, ist derselben Ansicht. Als Grund nannte er die vergleichsweise einzigartige Technologie. (mb)