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Peoplesoft und Oracle weiter im Clinch

18.10.2004
Nachdem das Verfahren vor einem Gericht in Wilmington, Delaware, ergebnislos endete, sollen sich Peoplesoft und Oracle erst einmal einigen, welche Punkte noch strittig sind.

Obwohl Peoplesoft einer Übernahme durch Oracle nicht mehr grundsätzlich ablehnend gegenüber steht, beharken sich beide Unternehmen unverändert. Ergebnislos endete ein auf zwei Wochen angesetztes Verfahren vor einem Gericht in Wilmington, US-Bundesstaat Delaware, die der Richter als "eine Mischung aus Gerichts- und Übernahmeverhandlung" charakterisierte. Bevor es in der Sache weitergeht, sollen sich beide Parteien erst einmal einigen, welche Punkte noch strittig sind.

Im Zentrum der Auseinandersetzungen stehen die Höhe des Oracle-Angebots und damit der Wert von Peoplesoft. Oracle hatte zunächst 16 Dollar pro Aktie angeboten, dann auf 19,50 bis 26 Dollar erhöht und sich seit Mai dieses Jahres auf 21 Dollar festgelegt. Doch während des jüngsten Gerichtsverfahrens hatte Safra Catz, Co-President des Datenbankriesens, erklärt, Peoplesoft habe um 25 bis 33 Prozent an Wert verloren, und damit ein nochmals reduziertes Angebot angedeutet. Auch Oracle-Chef Larry Ellison hatte Andeutungen in diese Richtung gemacht.

Doch das Peoplesoft-Management fordert das genaue Gegenteil, nämlich ein deutlich höheres Angebot. Davon gehen wohl auch die Großinvestoren aus. Denn es ist durchaus üblich, dass der Übernahmepreis nicht dem Wert eines Unternehmens entspricht, sondern darüber hinaus eine Art "Prämie" enthält. Die Rede ist von einem Preis knapp unter 30 Dollar.

Das steht für Oracle mit Verweis auf die "Giftpillen", die Peoplesoft sich zur Verhinderung einer Übernahme implantiert hat, nicht zur Diskussion. Deshalb versucht Oracle, diese gerichtlich aus dem Weg zu räumen. Streitpunkt Nummer eins ist die vorgesehene Erhöhung des Aktienvolumens, die eine Übernahme zu teuer machen würde. Noch brisanter ist das Peoplesoft-Versprechen an seine Kunden, sie erhielten das Fünffache ihrer jährlichen Lizenzgebühren zurück, falls das übernehmende Unternehmen die Peoplesoft-Programme nicht weiter pflegt.

Diese Zusage besteht seit 16 Monaten, und ihre möglichen Kosten betragen zwei Milliarden Dollar. Oracle argumentiert vor Gericht, diese Giftpille dürfe nicht so lang existieren und sei überhaupt illegal, weil sie nicht vor einer Übernahme schützten, sondern den Käufer bestraften. Peoplesoft lehnt eine Rücknahme mit dem Hinweis ab, derlei würde potentielle Neukunden abschrecken. Der Streit ist also noch lange nicht ausgestanden. (ls)