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Peoplesoft rüstet sich für die letzte Schlacht mit Oracle

12.11.2004
MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nachdem Oracle bekannt gegeben hat, dass am 19. November 2004 definitiv die Frist abläuft, innerhalb derer sich Peoplesoft-Aktionäre für den Datenbankanbieter entscheiden können, bereitet sich das Management des Übernahmekandidaten auf die letzte Schlacht mit Oracle vor.

Oracle-Chef Larry Ellison hatte gesagt, sein Unternehmen werde die Übernahmebemühungen bis zum 19. November aufrechterhalten. Wenn die Peoplesoft-Aktionäre bis zu diesem Datum nicht mehrheitlich, also mindestens knapp über 50 Prozent, ihr Plazet zur Fusion abgegeben, werde man alle Merger-Aktivitäten einstellen.

Ellison sagte ferner, Oracle werde das Angebot von 24 Dollar, die sein Unternehmen bereit ist, pro Peoplesoft-Aktie zu zahlen, definitiv nicht mehr erhöhen. Es gebe dann andere Optionen für den Datenbankanbieter, sein Geld auszugeben. Zu denken sei etwa an die Akquisition anderer Unternehmen oder den Rückkauf von Oracle-Aktien.

Das Peoplesoft-Management hatte schon vor einigen Tagen auch die 24-Dollar-Offerte als zu niedrig zurückgewiesen. Angebote ab 26 Dollar würde man hingegen überdenken.

Über die Chancen einer erfolgreichen Übernahme von Peoplesoft durch Oracle darf trefflich diskutiert werden. In den 17 Monaten, die seit der ersten Übernahmeofferte Anfang Juni 2003 vergangenen sind, konnte Oracle nie mehr als elf Prozent aller Peoplesoft-Aktien auf sich vereinen. Teilweise hatten nur drei Prozent der Peoplesoft-Anteilseigner für den Merger gestimmt.

Ob Oracle es schafft, bis kommenden Freitag tatsächlich 50 Prozent aller Peoplesoft-Aktien auf seine Seite zu ziehen, dürfte vor allem von den institutionellen Anteilseignern abhängen. Hiervon gibt es zehn. Hinzukommen Kapitalanlagen- und Investmentgesellschaften (Mutual Fund). Zählt man deren Aktienpakete zusammen, ergibt sich ein prozentualer Anteil an den Peoplesoft-Aktien von insgesamt weniger als 50 Prozent. Peoplesoft selbst sagt, es mache keine Angaben dazu, welche Anleger Aktien des Unternehmens halten. Das Unternehmen gibt aber an, dass institutionelle Anleger etwa 75 Prozent der Peoplesoft-Aktien besitzen würden.

Insider gehen im Übrigen davon aus, dass Oracle die Übernahmeanstrengungen auch nach dem 19. November sogar dann fortsetzen wird, wenn es bis dahin nicht die Mehrheit der Aktien besitzt. Oracle streitet dies allerdings vehement ab.

Eine weitere Möglichkeit, Peoplesoft zu kaufen, könnte für die Ellison-Company darin bestehen, den Vorstand von Peoplesoft mehrheitlich mit eigenen Verbündeten zu besetzen. Dies müsste auf der wahrscheinlich im März 2005 stattfindenden Hauptversammlung von Peoplesoft geschehen.

Auch in diesem Fall müsste es Oracle schaffen, eine Mehrheit der dann stimmberechtigten Aktionäre auf seine Seite zu bringen. Sollte Oracle dies nicht schon bis zum 19. November schaffen, bliebe nur der Weg, mit einem wie auch immer gearteten weiteren Angebot aufzuwarten, dass die Anteilseigner bis zur oder spätestens auf der Hauptversammlung überzeugt. Mit einer Mehrheit im Peoplesoft-Vorstand ließe sich dann wohl eine Übernahme bewerkstelligen.

Eine letzte Möglichkeit für eine Übernahme ergibt sich noch durch das von Oracle angestrengte Klageverfahren, mit dem die Ellison-Company die von Peoplesoft ausgelegten Giftpillen per Gerichtsentscheid verbieten lassen will. Das anhängige Verfahren und die Einvernahmen haben bereits stattgefunden. Die Entscheidung des Gerichts wird nach dem 19. November verkündet. Sollte der vorsitzende Richter der Oracle-Klage stattgeben und die Poison Pills verbieten, könnte er Peoplesoft verbieten, neuen Aktien auszugeben.

Solch eine Neuemittierung würde die Übernahme für Oracle erheblich verteuern und für Aktieninhaber somit unattraktiv werden lassen. Ein Sieg Oracles vor Gericht würde andererseits die Übernahme für Aktionäre wieder interessanter gestalten, weil das Thema Poison Pills dann vom Tisch wäre. (jm)