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Pentagon überarbeitet Beschaffungssoftware

28.09.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das US Department of Defense (DoD) stellt sein Beschaffungssystem von einer Client-Server- auf eine Web-Architektur um. Derzeit ist die "Procurement Desktop Defense" (PD2) genannte Software auf 23 000 Desktops an 800 über den Globus verteilten Standorten installiert. Künftig sollen rund 40 000 Anwender damit arbeiten. Entwicklung und Betrieb von PD2 sind Aufgabe einer Einheit namens Standard Procurement System Office, kurz SPS. Sie hat im vergangenen Monat mit den Migrationsarbeiten begonnen.

PD2 hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Die Weiterentwicklung des 1984 in Angriff genommenen Systems war 2002 für ein Jahr ausgesetzt worden, nachdem der US-Rechnungshof, das Government Accountability Office (GAO), harsche Kritik daran geübt hatte: Die Investitionen in die Software hätten sich nicht ausgezahlt, die Vorteile für die Anwender ließen sich nicht belegen, so der GAO-Report aus dem Jahr 2001.

Wenn die jährlichen Rechnungshofberichte nicht trügen, ist das DoD in Sachen Softwareentwicklung nur "bedingt wehrbereit". Auch in jüngster Zeit finden die GAO-Prüfer in den Softwareprojekten des US-Verteidigungsministeriums jedes Jahr einen neuen Grund zur Beanstandung: Bemängelten sie 2004 den "Datenverhau" im Pentagon, so konstatierten sie 2005 dort ein Software-Chaos.

Mit der Migration der Procurement-Anwendung hofft das SPS Office, künftig vor dem strengen Auge der GAO-Prüfer bestehen zu können. Es wurde ein internes Gremium aus dem mittleren Management unterschiedlicher Abteilungen rekrutiert, das die Anwenderanforderungen an das System zusammengetragen hat. Zudem hat sich der Entwicklerstab auf XML als Standard-Markup-Sprache festgelegt. Mit XLM-basierenden Adaptoren von WebMethods und Code-Generierungswerkzeuge von Evolutionary Technologies International (ETI) soll sich die Beschaffungssoftware ohne langwierige Programmierarbeiten mit den Finanz- und Logistikapplikationen des Pentagon integrieren lassen.

Ebenfalls von ETI stammende Automatisierungs-Tools dienen dazu, den bisherigen Dokumentationsrückstau zu vermeiden, indem sie Systembeschreibungen ohne menschliches Eingreifen erzeugen. Andere erstellen aus den Metadaten der Integrationsschnittstellen "Business Rules" und beschleunigen dadurch das Mapping der Anwendung auf die Web-Architektur. So wird die neue Softwareausführung wird voraussichtlich Mitte kommenden Jahres den Dienst aufnehmen. Anders als die Client-Server-Version soll sie auch für die Beschaffung von Waffensystemen genutzt werden. (qua)