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Pentagon "bombardiert" irakische Generäle mit E-Mails

13.01.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das US-amerikanische Verteidigungsministerium hat irakischen Generälen E-Mails geschickt. In diesen wurden sie ermutigt, sich gegen die Politik des irakischen Machthabers und Präsident Saddam Hussein zu stellen und gegebenenfalls sogar überzulaufen. Außerdem forderte das Pentagon die Militärs auf, Befehle Saddam Husseins zu missachten, mit denen die Nutzung von chemischen oder biologischen Waffen gegen US-Truppen angeordnet wird. Das "Wall Street Journal" zitierte einen nicht näher bezeichneten Offiziellen, der die bislang einmalige Aktion bestätigte. Die US-Militärbehörden bemühten in ihrem Konflik mit dem Irak bislang und seit mindestens einem Jahrhundert bekannte psychologische Verfahren der Kriegführung wie etwa Flugblattaktionen über Feindesland. Die E-Mail-Kommunikation mit dem Gegner stellt nun eine neue Taktik-Variante dar. Die Kriegsbehörde in Washington, D.C., erhofft sich, irakische Generäle in

ihrer Loyalität gegenüber Saddam Hussein zu erschüttern. Insbesondere wollen sie auf diese Weise die an den Grenzen zum Irak aufmarschierenden Truppenverbände aus den Vereinigten Staaten schützen.

Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, der sich immer wieder durch markige Sprüche als Falke der US-Regierung hervortut, glaubt, dass der Irak über biologische und chemische Waffen verfügt. Die Machthaber in Bagdad behaupten, solcherlei Waffen zu besitzen. Der Informant bestätigte ferner, dass das Pentagon die E-Mails ursprünglich anonym, also nicht als vom US-Verteidigungsministerium addressiert, verschickt hatte. Zum Zeitpunkt, wann die Botschaften an die irakische Generalität versandt wurde, äußerte er sich nicht. Der Informant deutete allerdings an, die Aktion sei erst kürzlich, möglicherweise vergangene Woche in die Wege geleitet worden. (jm)