Public-ICT - E-Government

Millionenverluste?

Peinliche Software-Panne sorgt für Einwohnerschwund

Johannes Klostermeier ist ein freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public IT, Telekommunikation und Social Media. Auf cio.de schreibt er über CIO Auf- und Aussteiger.
Die "Ostsee-Zeitung" berichtet über einen Fehler bei der Bedienung eines Programm für Meldestellen, der dazu führt, dass Orte in Mecklenburg-Vorpommern plötzlich weniger Einwohner haben. Das dortige Innenministerium weist Behauptungen über daraus resultierende millionenschwere Finanzausfälle bei den Kommunen zurück.
Ein Screenshot der "Ostsee-Zeitung", Rostock.
Ein Screenshot der "Ostsee-Zeitung", Rostock.

"Panne in Meldeämtern: Verliert MV Millionen?". Unter dieser reißerischen Überschrift berichtete die in Rostock erscheinende "Ostsee-Zeitung" über einen "Software-Fehler in deutschen Amtsstuben", der seit Jahren zu Einwohnerschwund im Land Mecklenburg-Vorpommern führen würde.

Und das, wo dort sowieso nicht mehr besonders viele Menschen leben. Besonders fatal: Mit den Einwohnern gehen gleichzeitig auch die Gelder aus dem Finanzausgleich verloren. Denn die offiziellen Einwohnerzahlen, die die Grundlage des Finanzausgleiches bilden, ergeben sich aus den Einwohnerzahlen von 1990 plus oder minus der Hinzu- oder Weggezogenen. Was genau war passiert?

Laut "Ostsee-Zeitung" geht es um Orte, die auch in anderen Bundesländern unter gleichem Namen existieren. So seien in den Jahren 2007 und 2008 dem Ort Mölln in Mecklenburg im Landkreis Demmin 106 Einwohner verloren gegangen. Doch alle diese Einwohner wohnen in Wirklichkeit dort immer noch. Denn sie zogen aus der namensgleichen Gemeinde Mölln in Schleswig-Holstein im Herzogtum Lauenburg fort.

Doch bei namensgleichen Gemeinden bietet die Software den Mitarbeitern in den Meldestellen der Zuzugsgemeinden, so die offizielle Erklärung, stets zuerst die Gemeinden mit der kleinsten Anfangsziffer der Postleitzahl an. So bietet das Programm zuerst Mölln in Mecklenburg-Vorpommern mit der Postleitzahl 17091 an, bevor Mölln in Lauenburg mit der Postleitzahl 23879 erreicht wird. Wird dieser Fehler von dem Angestellten der Meldebehörden nicht bemerkt, dann wird der Einwohner einfach aus dem falschen Ort abgemeldet.