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PDC: Gates verspricht gute Geschäfte

14.09.2005
Office 12 und Windows Vista werden "eine große Welle an Software-verkäufen auslösen", prophezeite Bill Gates zum Auftakt der Professional Developers Conference (PDC).

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Wenn Microsoft in der zweiten Hälfte kommenden Jahres die mit Spannung erwarteten Upgrades Office 12 und Windows Vista ausliefert, wird das "eine große Welle an Softwareverkäufen auslösen". Dies versprach Bill Gates den Windows-Applikationsentwicklern zum Auftakt der gestern in Los Angeles begonnenen Professional Developers Conference (PDC). Rund 30 Softwarehäuser hätten bereits zugesagt, neue Applikationen für das Betriebssystem bereitzustellen. Um möglichst früh Anreize für Vista-Entwicklungen zu schaffen, hat Microsoft ein mit 100 Millionen Dollar ausgestattetes Partner-Marketing-Programm aufgelegt, "die größte Marketing-Aktivität, die wir je hatten", verkündete Gates.

Damit auch kleinere Softwarehäuser nicht zu kurz kommen, will Microsoft einen als "Digital Locker" bezeichneten Online-Marktplatz aufbauen, auf dem sich diejenigen Hersteller präsentieren können, deren Programme vom Einzelhandel entweder erst gar nicht aufgenommen werden oder die meist ein Schattendasein in Regalnischen fristen.

Auch in der technischen Zusammenarbeit mit Windows-Entwicklern will Microsoft mehr Engagement zeigen. Im Rahmen des auf der PDC vorgestellten Community Technology Preview-Program (CTP) soll es für Vista deutlich öfter Testversionen geben, als dies bislang in den Betaphasen der Fall war. "Für Entwickler ist eine Zeit des Umbruchs gekommen", erklärte Gates. Mit .NET und Web-Services sei eine Grundlage geschaffen worden, auf der man nun mit Office 12 und Windows Vista aufbauen könne, um Software auf ein Niveau zu heben, das Anwendern ein völlig neues Arbeitserlebnis vermittle.

Die erste Version von Windows Vista CTP wird unter anderem den Teilnehmern der PDC bereitgestellt. Entwickler können mit diesem Release das neue, auf .NET beruhende Programmiermodell WinFX einsetzen, das als wesentliche Baussteine das Grafiksystem Avalon und die auf Web-Services beruhende Kommunikationsschicht Indigo enthält.

Eine erste Betaversion von Office 12, so der vorläufige Arbeitstitel des neuen Büropakets, soll es in diesem Herbst geben. Das Paket stellt laut Microsoft den wichtigsten Entwicklungssprung der Suite seit mehr als einem Jahrzehnt dar. Eine erste öffentliche Demo-Version sollte den PDC-Besuchern einen Eindruck von der vollständig neu gestalteten Benutzeroberfläche geben. Das zusammen mit Kunden erarbeitete Design ersetzt die traditionellen Menüs und Werkzeugleisten durch eine Auswahl an grafischen Befehlssymbolen, die den aktuellen Aufgaben entsprechen. Die Menüs sind dynamisch gestaltet: Das System kann sie ein- und ausblenden, je nachdem in welchem Kontext der Anwendung gerade gearbeitet wird. "Seit Office 95 ist dies die bedeutendste Neuerung", sagte Gates.

Neben der neuen Organisation und Präsentation von Office-Funktionen soll die Oberfläche auch zu beitragen, Dokumente schneller professionell zu gestalten. Anstatt nur ein Element eines Dokuments zu editieren und zu formatieren, vereinfachen die neuen grafischen Galerien von Office 12 den Prozess, indem sie eine Auswahl potenzieller Layout-Ergebnisse darstellen. Eine Vorschau zeigt, wie jede mögliche Auswahl das Dokument verändern wird. Sie wird allein dadurch aktiviert, dass der Mauszeiger auf der entsprechenden Funktion liegt.

Mit der Entwicklung von Windows Vista und Office 12 hat Microsoft eine Reihe neuer Technologien geschaffen, über die sich Entwickler auf der PDC eingehend informieren können. "Atlas" etwa ist der Codename für ein Web-Client-Framework zur Programmierung von asynchronen Javascript- und XML-artigen (Ajax) Applikationen, die Dynamic HTML (DHTML), XML und Skripte einsetzen. Durch die Integration mit Visual Studio 2005 und ASP.NET 2.0 erleichtert Atlas die Erstellung von multifunktionalen, interaktiven Web-Anwendungen, die auf allen aktuellen Browsern laufen.

Profitieren werden Entwickler auch von dem "Language Integrated Query Project" (LINQ). Es umfasst eine Reihe von Erweiterungen für die Programmiersprachen C# und Visual Basic sowie ein einheitliches Programmiermodell. Dieses erweitert das .NET-Framework um die Integration von Abfragen für Objekte, Datenbanken und XML-Inhalte. LINQ ermöglicht Entwicklern, Anfragen für den Dateizugriff nativ in C# oder Visual Basic zu schreiben, ohne auf andere Sprachen wie SQL oder XQuery zurückzugreifen.

Schließlich bietet die Windows Presentation Foundation "Everywhere" leistungsfähige Visualisierungs- und Darstellungsmechanismen unabhängig vom Formfaktor. Grafisch und inhaltlich anspruchsvolle Applikationen werden damit laut Microsoft auf jedem Gerätetyp möglich. (ue)