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PARC lizenziert Sprachtechnik an Google-Herausforderer

09.02.2007
Früher gehörte der Think Tank PARC (Palo Alto Research Center) zu Xerox. Inzwischen steht er auf eigenen Füßen. Seine über 30 Jahren hinweg entwickelte Technologie, die Maschinen natürliche Sprache beibringen soll, gibt er jetzt an das Suchmaschinen-Start-up Powerset in Lizenz.

Powerset will mit Hilfe dieser "Natural-Language"-Technik eine neuartige Suchmaschine enwickeln und damit Branchenprimus Google herausfordern, wie die "New York Times" berichtet. Es hatte im Herbst von Venture-Capital-Firmen und Privatinvestoren in einer ersten Finanzierungsrunde 12,5 Millionen Dollar erhalten. Und es steht nun zweifelsohne vor einer enormen Herausforderung. Dabei kann ihm die PARC-Technik sicher eine Ära der Glaubwürdigkeit verschaffen.

Die Natural-Language-Technik des PARC gehöre zu den "umfassendsten, die es gibt", bestätigt Fernando Pereira, Experte auf dem Gebiet und Leiter der Informatikfakultät an der University of Pennsylvania. Das allein werde Powerset aber nicht den Erfolg garantieren, warnt der Wissenschaftler. "Die Frage ist, ob diese Technik überhaupt adäquat ist für irgendeine Applikation, sei es Suche oder sonst etwas", sagt Pereira. "Das ist eine empirische Frage, die getestet werden muss."

Als Teil des Lizenz-Deals wechselt der PARC-Forscher Ronald Kaplan als Chief Technology und Scientific Officer zur rund 40-köpfigen Powerset-Truppe. PARC erhält eine Beteiligung an und Lizenzgebühren von Powerset, das überdies einige Forscher am PARC sponsern wird. Nähere finanzielle Einzelheiten der Kooperation wurden aber nicht veröffentlicht.

Das PARC hängt die Partnerschaft allerdings recht hoch. "Das ist einer der größten Deals, die wir je gemacht haben", sagt President und Center Director Mark Bernstein. "Wir hoffen, dass er in Sachen Dauer und Wert, den wir gemeinsam schaffen können, zum größten wird. Er repräsentiert ein Commitment zu einigen der intellektuellen Kronjuwelen, die PARC geschaffen hat." (Andere waren Ethernet, Laserdrucker, Laptop, GUI, WYSIWYG oder Smalltalk).

Mit Powerset arbeiten PARC-Forscher schon seit rund einem Jahr an einem Prototypen für dessen Suchmaschine. Der Öffentlichkeit soll diese allerdings frühestens Ende des Jahres zugänglich gemacht werden.

Derweil arbeiten natürlich auch andere Start-ups und die großen Search Engines an der Entwicklung natürlichsprachiger Suche. Im Erfolgsfalle sollte eine solche Suchmaschine einmal richtige Fragen verstehen etwa "Welche Firmen hat IBM in den letzten fünf Jahren gekauft?" -, mit der heutige Search Engines nichts anfangen können. Der Prozess der Informationssuche könnte damit zu einer Art Dialog zischen Nutzer und Suchmaschine werden.

"Für viele Dinge funktioniert die Keyword-Suche gut", erklärt Powerset-Chef Barney Pell. "Aber ich glaube, dass wir in zehn Jahren zurückblicken und sagen werden: Wisst Ihr noch, wie wir damals mit Schlüsselwörtern gesucht haben?"

Forscher sagen seit Jahren umwälzende Anwendungen im Bereich natürlicher Sprache voraus. Bis dato hat sich die Technik aber nur in limitierten Kontexten als brauchbar erwiesen und manche Experten inzwischen eher zu Skeptikern hinsichtlich ihre Potenzials (des kurzfristigen zumindest) werden lassen.

"Was die Fortschritte bei der natürlichsprachigen Suche betrifft, bin ich insoweit ein wenig skeptisch, als dass selbst die besten Systeme - und hierzu zähle ich auch die von PARC - viele Fehler machen", gesteht UPenn-Experte Pereira.

Im November hatte bereits Marissa Meyer, Googles Vice President for Search and User Experience, in einem Interview erklärt: "Natural Language ist wirklich schwierig. Ich glaube nicht, dass das in den nächsten fünf Jahren passiert." (tc)