"Heiße" Start-ups

Pannen bei Path und Pinterest

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Zwei als "next big thing" gehandelte Start-ups machen gerade mit unschönen Praktiken auf sich aufmerksam.
Path - zahlt hier wieder mal der Nutzer mit seinen Daten?
Path - zahlt hier wieder mal der Nutzer mit seinen Daten?

Path ist ein "privates" Social Network mit zugegeben wunderschön gemachten Apps für iPhone und Android-Smartphones. Leider ist dem Entwickler Arun Thampi nun aber aufgefallen, dass genau diese Apps ungefragt das komplette Adressbuch des Path-Nutzers auf die Server des Anbieters hochladen - ein allein schon aus Datenschutzsicht höchst brisantes Fehlverhalten.

Path-Gründer und -CEO Dave Morin hat flugs auf Thampis Veröffentlichung reagiert. Er behauptet, Path übertrage die Kontakte einzig zu dem Zweck, dass Nutzer schnell und einfach Familie und Freunde zu ihrem Netzwerk hinzufügen können und benachrichtigt werden, wenn Familie und Freunde Mitglied bei Path werden. Diese Art Matching sei "wichtig für die Branche", so Morin weiter.

Allerdings müssten die User das auch klar verstehen. Deshalb gebe es in der Android-App seit einigen Wochen proaktiv einen Opt-in (sprich: Der Nutzer muss der Datenübertragung explizit zustimmen) und der gleiche sei auch in die nächste Version 2.0.6 der iOS-App eingebaut, für die man gerade auf die Freigabe im App Store warte. iOS-Nutzer, deren Adressbücher bereits ungefragt auf den Servern von Path liegen, dürfte dieses Eingeständnis aber kaum beruhigen.

Bei Pinterest, einer Art "Pinnwand" im Netz, auf der Nutzer Bilder von allen möglichen gefälligen Dingen hinterlassen und teilen können, ist die Panne weniger gravierend: Die Firma fügt bei von Nutzern "gepinnten" Bildern von E-Commerce-Seiten mit Affiliate-Programmen offenbar eigene Affiliate-Tracking-Links hinzu. Es verändert die Links mithin so, dass es damit Geld verdienen kann. Ungewöhnlich für ein Start-up im Beta-Modus - und vor allem werden die Nutzer darüber ebenfalls nicht informiert, wie Josh Davis im Blog "LLsocial.com" berichtet.

Die Nutzung von Pinterest und anderen Kuratierungsplattformen ist sowieso nicht ohne - Rechtsanwalt Thomas Schwenke etwa weist in diesem Zusammenhang aktuell darauf hin, dass wer bei Pinterest und Co Inhalte teilt, sehr häufig gegen das Urheberrecht verstößt und die Haftung für die geteilten Inhalte trägt. Dabei liege das Risiko nicht bei den Plattformen, sondern bei den Nutzern, so der Experte für Internet-Rechtsfragen.