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palmOne prüft alternative Betriebssysteme

05.11.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Bislang laufen alle Handhelds und Smartphones von palmOne mit dem Betriebssystem Palm OS, das von der inzwischen eigenständigen Firma PalmSource weiterentwickelt wird. Allerdings mehren sich Gerüchte und Anzeichen, dass palmOne demnächst auch andere Betriebssysteme einsetzen könnte.

Auf einem Meeting in London mit Analysten und Presse erklärte beispielsweise palmOnes President Ed Colligan, er könne nicht versprechen, dass seine Firma im Zeitraum 2005/2006 auf das neueste Palm OS 6 "Cobalt" umsteigen werde. Man habe selbst, speziell für die Smartphones der "Treo"-Familie, das Palm OS mit großem Aufwand erheblich um Mobilfunkfunktionen erweitert. So lange PalmSource in diesem Bereich nicht gleichziehe, sei ein Wechsel auf Cobalt nicht interessant.

"Cnet" berichtet unterdessen unter Berufung auf Insider, palmOne habe ohnehin bereits alternative Handheld-Betriebssystem sowohl von Microsoft als auch im Linux-Bereich evaluiert. Damit könne der Hersteller sein Portfolio ergänzen, um zusätzliche Marktanteile zu gewinnen. Der Needham-Analyst Charles Wolf hatte Anfang der Woche in einem Report gemutmaßt, ein Microsoft-basierender Treo sei "praktisch sicher", ohne allerdings einen Zeitrahmen zu nennen.

Vor allem an Unternehmen, die ohnehin im Backend oft Microsoft verwenden, ließen sich solche Geräte vermutlich besser verkaufen als Palm-OS-basierende. Eine kleinere Kooperation hatten beide Firmen in diesem Jahr bereits angekündigt - der neue "Treo 650" kann direkt auf Postfächer von Exchange-Servern zugreifen, nachdem palmOne das entsprechende Protokoll in Lizenz genommen hat.

Linux wiederum würde es palmOne unter anderem ermöglichen, seine Geräte günstiger anzubieten, weil für das quelloffene Systeme keine Lizenzgebühren fällig werden. An PalmSource zahlt der Hardwareanbieter pro verkauftem Gerät, wenigstens aber 40 Millionen Dollar jährlich. Der diesbezügliche Lizenzvertrag läuft noch bis zum Jahr 2006. (tc)