Übernahme von Extended Systems

Palm peilt Unternehmenskunden an

16.03.2001
NEW YORK (IDG) - Im härter werdenden Wettbewerb setzt PDA-Anbieter Palm Computing künftig auf Firmenkunden als neue Zielgruppe. Hierzu hat der Hersteller mit Extended Systems nicht nur ein neues Unternehmen gekauft, sondern plant gleichzeitig die Umstrukturierung der gesamten Company.

Technikfreaks und Yuppies, die modische Kleinstcomputer den klassischen Terminplanern aus Papier vorziehen, machten Palm so groß, dass Netzequipment-Hersteller 3Com seine Tochter im letzten Jahr an die Börse brachte.

Allerdings scheinen vom Geschäft mit den Privatkunden in Zukunft nicht mehr die Wachstumssignale auszugehen wie bisher. Zwar versprechen Marktforschungsinstitute wie IDC den Herstellern von PDAs bis 2004 weiterhin ein kräftiges Absatzplus, doch von den dann verkauften 64 Millionen Kleinstcomputern soll das Gros von Unternehmenskunden nachgefragt werden. Eine Entwicklung, die Marktführer Palm bereits im letzten Quartal 2000 zu spüren bekam: Schon zehn Prozent seines Umsatzes von 522 Millionen Dollar machte das Unternehmen mit Geschäftskunden.

Um dieser Klientel künftig attraktivere, auf die unternehmensspezifischen Belange zugeschnittene Produkte offerieren zu können, kaufte Palm für rund 274 Millionen Dollar das US-Unternehmen Extended Systems. Die 1984 gegründete Company hat sich auf Produkte spezialisiert, die Unternehmen in die Lage versetzen, ihren mobilen Mitarbeitern via PDA den Zugriff auf Unternehmensdaten zu ermöglichen. Mit Hilfe des Know-hows von Extended Systems will Palm seine PDAs dahingehend aufrüsten, dass Mitarbeiter von unterwegs Zugriff auf E-Mails, die zentrale elektronische Terminplanung oder das Internet haben.

Gleichzeitig mit der Akquisition von Extended Systems plant Palm-Chef Carl Yankowski eine Umstrukturierung der Company. Künftig untergliedere sich Palm Computing, so Yankowski, in drei Geschäftsfelder: Einen Bereich für das Privatkundensegment, einen Geschäftsbereich, der sich auf die Weiterentwicklung des Betriebssystems Palm OS konzentriert sowie eine Business-Division, die sich auf die Zielgruppe Geschäftskunden fokussiert. Den Kern dieses Geschäftsfeldes bilden die rund 350 Beschäftigten, die Palm mit dem Kauf von Extended Systems übernimmt.

Analysten werten die Konzernumstrukturierung jedoch nicht nur als Beleg für die Fokussierung auf neue Käuferschichten, sondern sehen darin gleichzeitig ein Indiz für eine Abwehr-Positionierung. Unternehmen wie Compaq, so die Auguren, wollen nämlich Palm von seinem PDA-Marktanteil von rund 60 Prozent ein paar Prozentpunkte abjagen. Dabei hätten die Konkurrenten, Compaq hat gerade erst seinem PDA "Ipaq" 64 statt 32 MB RAM für Business-Applikationen spendiert, vor allem die Geschäftskunden im Visier. Die Palm-Jäger bauen auf ihre Betriebssystem-Plattform: Wie auf den Servern und PCs läuft auf den PDAs Windows als Betriebssystem. So sei die Integration der Kleinstrechner in die IT-Infrastruktur der Unternehmen einfacher als beim Palm, der ein anderes Betriebssystem benutze. Eine Argumentationskette, der Palm nach Ansicht der Analysten mit der Übernahme von Extended Systems etwas Entscheidendes entgegensetzen will.