Datenanalyse-Spezialist

Palantir wird ein wenig entmystifiziert

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
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Obwohl die 2004 gegründete Softwarefirma Palantir bereits milliardenschwer ist, wusste man bis heute relativ wenig darüber, was sie genau tut.

Durchgesickert war vornehmlich, dass Palantir eine Data-Mining-Lösung entwickelt hat, die unter anderem Strafverfolgungsbehörden und Sicherheitsfirmen benutzen, um Beziehungen zwischen Kriminellen aufzuzeigen. Jetzt wurde dem Branchendienst "TechCrunch" ein Dokument zugespielt, das die Analyse-Tools von Palantir detaillierter beschreibt und überdies viele Schlüsselkunden anführt. Es kursiere derzeit als Investorenprospekt für eine zweite Finanzierungsrunde.

Palantir addressiert demnach drei Kernbranchen: Regierungen, Finanzsektor und juristische Recherche (besonders wichtig im angloamerikanischen Rechtskreis; das dortige Rechtssystem basiert unter anderem auf der Auswertung vergleichbarer Gerichtsentscheidungen). Die entsprechenden Palantir-Lösungen setzten jeweils auf große Caches, um ansonsten unsichtbare Verbindungen zu finden, heißt es - zum Beispiel habe eine von Securities Investment Protection angeheuerte Firma Palantirs Software verwendet, um mehr als 40 Jahre an Einträgen zu durchforsten und damit dem Anlagebetrüger Bernie Madoff auf die Schliche zu kommen.

"Revolutionär" an Palantir ist offenbar vor allem das User Interface: Nutzer können ihre Suchanfrage in natürlicher Sprache stellen und erhalten die Antworten in nahezu Echtzeit; mit SQL-Queries und vergleichbaren Unterbau-Details brauchen sie sich nicht zu befassen. Als einen Kunden nennt das Dokument die Polizei von Los Angeles, die mit Hilfe von Palantir 160 Data Sets abteilungsübergreifend durchsucht und verknüpft. Stand 2013 war die Software außerdem allein in den USA unter anderem bei CIA, DHS, NSA, FBI, CDC, Marine Corps, Air Force, Special Operations Command sowie in West Point im Einsatz. Neben Behörden und Militär gibt es aber auch Kunden aus der freien Wirtschaft. Das International Consortium of Investigative Journalists etwa hat Palantir benutzt, um Einsichten über den weltweiten Handel und illegale Geschäfte mit menschlichem Gewebe zu gewinnen.

Die besondere Stärke von Palantir liegt laut "TechCrunch" offenbar darin, Daten möglichst optimal für die weitere Analyse durch Menschen aufzubereiten. Die Software kann umfassende Aktivitätsmodelle erstellen, um verdächtige Anomalien zu entdecken und vor Betrug zu schützen - einige der Strategien dafür haben die Gründer gelernt, während sie noch für PayPal tätig waren. Vier der fünf Palantir-Manager waren vorher bei dem von Ebay gekauften Bezahldienst; Mitgründer Peter Thiel hob auch PayPal mit aus der Taufe