Anteilseigner greifen dem US-Unternehmen unter die Arme

Packard Bell schliesst sich mit Bull-Tochter Zenith zusammen

16.02.1996

Die enge Kooperation von NEC, Packard Bell und ZDS ergebe einen neuen PC-Hersteller von Weltrang, erwarten Marktbeobachter in den USA. Packard Bell hat im vergangenen Jahr 5,3 Prozent aller weltweit verkauften PCs geliefert, NEC 4,8 Prozent. Nach den nackten Zahlen laegen die beiden Unternehmen damit vor Compaq, dem bisherigen PC-Lieferanten Nummer eins, der 1995 zehn Prozent aller weltweit verkauften Rechner dieser Klasse lieferte.

Unklar ist, wer bei Packard Bell/ZDS kuenftig das Sagen hat. Derzeit entscheidet der Firmenchef Beny Alagem noch allein, da Bull und NEC zusammen einen Minderheitsanteil von rund 40 Prozent der stimmberechtigten Aktien besitzen. Doch im Zuge der jetzt vereinbarten Kooperation zwischen den drei Firmen gab Packard Bell weitere Vorzugsaktien an die beiden Kompagnons aus. Ob und wann diese in stimmberechtigte Anteile umgewandelt werden koennen, blieb unklar. Packard Bell bezeichnete die neu ausgegebenen Aktien als Vorzugsanteile, die das Unternehmen zurueckkaufen koenne, schreibt das "Wall Street Journal". Bull hingegen habe bekanntgegeben, man habe Vorzugsaktien mit Wandelrecht erhalten, die in stimmberechtigte Anteile umgewandelt werden koennen. Laut Alagem haetten die beiden Partner die Aktienmehrheit, wenn sie fuer alle Aktien das Stimmrecht bekaemen.

In Europa seien Entlassungen nicht zu befuerchten, da hier Packard Bell und ZDS schon laenger kooperieren. Packard Bell produziert in Angers in Westfrankreich PCs fuer ZDS und verwendet dabei Bauteile, die Bull aus einer nahegelegenen Fabrik liefert.

NEC, Groupe Bull und Packard Bell

Die Compagnie des Machines Bull und der japanische Grosskonzern NEC arbeiten seit den 60iger Jahren zusammen. NEC hatte 1987 Anteile an der amerikanischen Bull-Tochter "Bull HN" erworben. 1992 zog der franzoesische Mutterkonzern diese Beteiligung an sich, und NEC hielt fortan bis Anfang 1995 3,74 Prozent der Bull-Aktien. Bei der Teilprivatisierung von Bull erhoehte NEC diesen Anteil auf 17 Prozent. Weitere 17 Prozent gehoeren dem amerikanischen Halbleiterhersteller Motorola, 36,4 Prozent haelt der franzoesische Staat.

Bull kaufte 1989 Zenith Data Systems fuer 511 Millionen Dollar und beteiligte sich 1993 mit 19,99 Prozent an Packard Bell.

NEC stieg im August 1995 mit 170 Millionen Dollar bei Packard Bell ein und erhoeht diesen Anteil jetzt um 283 Millionen Dollar.

Bull und NEC hielten seit August 1995 jeweils 19,99 Prozent der stimmberechtigten Aktien von Packard Bell und nahmen je einen Sitz im siebenkoepfigen Aufsichtsrat des Unternehmens ein.

Fuer die neuerliche Beteiligung beziehungsweise den Verkauf von Zenith Data Systems erhalten NEC und Bull einen weiteren Sitz im jetzt neunkoepfigen Aufsichtsrat von Packard Bell. Zusaetzlich geht an die beiden Partner eine nicht naeher bekannte Zahl von Vorzugsaktien, aus denen sich keine Stimmberechtigung ergibt.