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P2P-Verband schlägt Urheberrechtsabgabe auf Internet-Zugänge vor

08.12.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Um ihr Überleben längerfristig zu sichern, denken US-Betreiber von Peer-to-Peer-Tauschbörsen (P2P) an, ihre Nutzer über die Internet-Zugangsgebühr zur Kasse zu bitten. Mit den Erlösen könnten Plattenfirmen, Produzenten und Künstler für ihre Umsatzausfälle durch Raubkopierer entschädigt werden. Die Distributed Computing Industry Association (DCIA), Interessensvertretung der führenden P2P-Anbieter, reagiert damit auf die Maßnahmen der Musikindustrie, der illegalen Verbreitung urheberrechtlich geschützter Inhalte über das Internet ein Ende zu machen.

Nach Schätzungen der RIAA (Recording Industry Association of America) werden die Einnahmen der US-Musikindustrie in den nächsten vier Jahren im Schnitt um 2,1 Prozent jährlich sinken, während sie eigentlich parallel zum Bruttoinlandsprodukt pro Jahr um 2,7 Prozent steigen sollten. Schuld für die Differenz sei die Musikpiraterie im Internet, so RIAA-CEO Mitch Bainwol. Der Dachverband versucht seit einiger Zeit, diesem Einbruch mit zahlreichen Gegenmaßnahmen gegenzusteuern. Dazu gehören gerichtliche Schritte gegen P2P-Betreiber und -Nutzer sowie eigene legale Download-Angebote auf Musikportalen.

Nach Ansicht der DCIA reicht dies allerdings nicht aus: Die RIAA vernachlässige bei seinen Plänen den weltweit größten Online-Markt für Content, die P2P-Netze, meint der Verband. Um diesen einzugliedern, schlägt die DCIA unter anderem vor, dass die P2P-Nutzer weiterhin Musikstücke im Internet zum Tausch anbieten. Als Ausgleich sollen sie aber ihrem Internet-Service-Provider (ISP) eine monatliche Gebühr für die Nutzung von P2P-Software bezahlen. Der Großteil der dabei gesammelten Summe falle anschließend Plattenfirmen, Künstlern und Produzenten zu. Bei einer Gebühr von fünf Dollar im Monat kämen dabei fast 2,5 Milliarden Dollar zusammen, rechnet die DCIA vor - selbst wenn einige der Nutzer daraufhin ihre Tauschaktivitäten einstellen würden.

Längerfristig schlägt der Interessenverband vor, die RIAA solle selbst bezahlte Musik-Downloads in P2P-Netzen anbieten. Die Abrechnung könnte in der ersten Stufe via Kreditkarte erfolgen. Im weiteren Verlauf sei sogar die Abbuchung über die Internet-Zugangsgebühr denkbar, später eventuell sogar in Form einer Grundgebühr für eine unbegrenzte Zahl von Downloads je Monat. Bei diesem Modell würden innerhalb von zwei Jahren die monatlichen Einnahmen mit einer Milliarde Dollar bereits den Umsatz im traditionellen Offline-Musikgeschäft übersteigen, prognostiziert die DCIA.

Die Gruppe will weitere Vorschläge sammeln und im Januar mit Plattenfirmen, Online-Diensten und P2P-Anbietern an den Verhandlungstisch treten. (mb)