Bayer-CIO

"Outsourcing ist kein Allheilmittel"

Karin Quack
Karin Quack ist als leitende Redakteurin für Themen rund um das IT-Management verantwortlich. Sie steht in engem Kontakt zu den CIOs und weiß, wo ihnen der Schuh drückt.  Privat interessiert sich Quack für den Fußball - vor allem der FC Barcelona hat es ihr angetan.
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Bayer Business Services (BBS) will Teile seiner IT-Services an Siemens SIS auslagern. Geschäftsführer und CIO Daniel Hartert erläutert die Beweggründe dafür.

CW: Sie haben bei Ihrem Amtsantritt vor etwa zwei Jahren verkündet, Sie wollten die IT vereinfachen. Outsourcing bedeutet allerdings auch mehr Komplexität.

HARTERT: Nicht unbedingt. Es sorgt durchaus für Vereinfachung, wenn man Services, die man als Commodity betrachtet, von darauf spezialisierten Unternehmen betreiben lässt und diese effizient steuert.

CW: Als ausgelagerte IT-Tochter ist BBS doch eigentlich auch auf diese Aufgaben spezialisiert.

Daniel Hartert, Geschäftsführer BBS und CIO der Bayer AG
Daniel Hartert, Geschäftsführer BBS und CIO der Bayer AG
Foto: Bayer Business Service

HARTERT: Sicher, aber unser Auftrag besteht darin, einen Wertbeitrag für den Konzern zu liefern. Wir sind auch nicht Bayer IT Services, sondern Bayer Business Services. Das heißt, wir bieten dem Konzern neben den IT-Dienstleistungen ein umfangreiches Portfolio an, das von Shared Services für Personal, Einkauf, Logistik und Finanzen bis hin zu Rechts- und Unternehmensberatung reicht.

Bei einem derart divergierenden Aufgabenspektrum konzentrieren wir uns auf die Dienstleistungen, die möglichst nah an der Wertschöpfungskette liegen. Mit Services, die einer sehr starken Commoditisierung unterliegen, kann sich Bayer in seinen Geschäften ja nicht differenzieren.

CW: Wie ermitteln Sie eigentlich die Konkurrenzfähigkeit von Services?

HARTERT: In unserem konkreten Fall haben wir zunächst mit der Unterstützung von IT-Sourcing-Beratern ermittelt, innerhalb welcher Preisspanne ein externer IT-Dienstleister die von uns spezifizierten Services anbieten könnte. Erst dann haben wir diese Services ausgeschrieben und die eingegangenen Angebote mit unseren Servicepreisen verglichen. Dabei haben wir erhebliche Einsparungsmöglichkeiten entdeckt.

CW: Wie hoch ist denn erheblich?

HARTERT: Über konkrete Summen reden wir nicht. Außerdem geht es nicht nur um den Preis. Auch die Qualität ist absolut wichtig. Denn das oberste Kriterium für uns ist die Zufriedenheit der Anwender im Konzern. Die Verantwortung für die Services liegt ja nach wie vor bei uns. Allerdings haben wir nun einmal festgelegt, dass wir in jedem Servicebereich mit den besten 25 Prozent der Anbieter mithalten wollen - und zwar kostendeckend. Eine Quersubventionierung einzelner Bereiche kommt für uns nicht infrage.

CW: Anders herum betrachtet - ab welcher Einsparung lohnt sich eigentlich der ganze Aufwand? Der ist ja nicht unerheblich.

HARTERT: Wir haben hier tatsächlich eine komplexe Transition vor uns. Das würden wir sicher nicht so beabsichtigen, wenn es sich nicht um eine wirklich signifikante Summe handeln würde. Sagen wir, im deutlich zweistelligen Prozentbereich.

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