Finanzkrise

Outsourcing in Krisenzeiten

Sabine Prehl ist freie Journalistin und lebt in München.
Die großen Auslagerungen werden verschoben. Gefragt sind jetzt kleine Projekte, die schnell Einsparungen bringen.
Vor allem Nachverhandlungen und die Reduzierung der externen Partner liegen derzeit im Trend.
Vor allem Nachverhandlungen und die Reduzierung der externen Partner liegen derzeit im Trend.
Foto: Forrester Research

Bereits im zweiten Quartal dieses Jahres hatten 43 Prozent der Unternehmen in Europa ihre IT-Budgets für das kommende Geschäftsjahr gekürzt. Inzwischen sind es wahrscheinlich noch mehr. Dass sich der Bankencrash und die erwartete Rezession auch auf das IT-Servicegeschäft auswirken werden, steht außer Frage. Langfristige Vertragsbindungen passen nicht in unsichere Zeiten. Dementsprechend wurden bereits zahlreiche Outsourcing-Verträge, deren Abschluss ursprünglich für das dritte oder vierte Quartal geplant war, auf das kommende Jahr verschoben. "Die Anwender brauchen Zeit, um zu verstehen, welche Folgen die derzeitige Entwicklung für ihr Unternehmen und ihre Branche hat", beschreibt Pascal Matzke, Analyst bei Forrester Research. Dass ein geplanter Deal wegen der Krise geplatzt sei, habe er allerdings noch nicht erlebt.

Traditionell verhält sich das Outsourcing-Geschäft antizyklisch zur Gesamtwirtschaft: In schlechten Zeiten profitieren die Anbieter vom Zwang der Anwender, schnell Kosten einzusparen. Dementsprechend ambivalent ist die Lage derzeit: Einer aktuellen Umfrage der Sourcing-Beratung Equaterra zufolge verzeichnen durchschnittlich 40 Prozent der Outsourcing-Anbieter weltweit eine steigende Nachfrage nach ihren Services. 38 Prozent gaben dagegen an, dass viele der geplanten Projekte verschoben worden seien.

Kostensenkung rückt in den Fokus

Noch gehört Offshoring nicht zum Standardrepertoire. Doch viele Firmen werden diesbezügliche Aktivitäten starten beziehungsweise ausbauen.
Noch gehört Offshoring nicht zum Standardrepertoire. Doch viele Firmen werden diesbezügliche Aktivitäten starten beziehungsweise ausbauen.

Die Experten von Equaterra wie auch von Forrester gehen aber davon aus, dass die meisten Unternehmen nach den ersten Monaten der Unsicherheit verstärkt in externe IT-Services im IT-Infrastruktur- und Applikationsbereich investieren werden, um ihre Kosten zu senken und die Produktivität zu steigern. Das gilt vor allem für Projekte, die auf standardisierten Services basieren und eine schnelle Rentabilität versprechen. Langfristige Vorhaben, die auf eine Verbesserung der Geschäftsprozesse abzielen, sind dagegen in der aktuellen Situation weniger gefragt.

Vor allem das Geschäft mit Anwendungsservices soll in den nächsten Jahren kräftig zulegen. Dabei steigt die Nachfrage nach standardisierten Angeboten, die sich flexibel beziehen lassen - etwa Managed Services und On-Demand-Offerings wie Software as a Service (SaaS). Laut Forrester haben 66 Prozent der Unternehmen in Europa mindestens eine SaaS-Lösung im Einsatz. Bei 28 Prozent sind es bereits vier solche Anwendungen oder mehr.