IT-Fertigungstiefe unter 50 Prozent

Outsourcing in die Cloud

Dr. Andreas Schaffry ist freiberuflicher IT-Fachjournalist und von 2006 bis 2015 für die CIO.de-Redaktion tätig. Die inhaltlichen Schwerpunkte seiner Berichterstattung liegen in den Bereichen ERP, Business Intelligence, CRM und SCM mit Schwerpunkt auf SAP und in der Darstellung aktueller IT-Trends wie SaaS, Cloud Computing oder Enterprise Mobility. Er schreibt insbesondere über die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen IT und Business und die damit verbundenen Transformationsprozesse in Unternehmen.
Jeder zweite Euro aus dem IT-Budget wandert jetzt schon an Dienstleister. Wie weit kann die Fertigungstiefe in der IT noch sinken?
Sebastian Ritz, CTO der Xchanging Transaction Bank (XTB): "Idealerweise läge unsere IT-Fertigungstiefe nicht bei 30, sondern bei 50 bis 60 Prozent."
Sebastian Ritz, CTO der Xchanging Transaction Bank (XTB): "Idealerweise läge unsere IT-Fertigungstiefe nicht bei 30, sondern bei 50 bis 60 Prozent."
Foto: Xchanging Transaction Bank (XTB)

Sebastian Ritz macht längst nicht mehr alles selbst: "Aktuell liegt unsere IT-Fertigungstiefe bei rund 30 Prozent", sagt der CTO der Xchanging Transaction Bank (XTB). Die XTB hat Entwicklung, Betrieb und Wartung ihres Kernbanksystems ausgelagert. Auch die Frontend-Lösungen für das Trading-Geschäft sowie große Teile der IT-Infrastruktur und der Netzwerke sind draußen. Ganz zufrieden ist Ritz mit seinen 30 Prozent allerdings nicht: "Da wir die Kontrolle über alle wichtigen IT-Plattformen und Querschnittfunktionen haben müssen, läge unsere IT-Fertigungstiefe idealerweise nicht bei 30, sondern bei 50 bis 60 Prozent."

Ungefähr in diesem Bereich liegen derzeit die meisten Unternehmen. "IT-Outsourcing ist heute keine Frage des Ob, sondern nur des Was", bestätigt Timo Kopp, Managing Consultant des Beratungshauses Maturity aus München. Laut seiner Benchmarks haben Betriebe die IT-Fertigungstiefe innerhalb der vergangenen zehn Jahre kontinuierlich gesenkt. Die Ausgaben für Auslagerungen schlagen heute beim Gesamtbudget mit 52 Prozent zu Buche und haben sich damit seit 2001 verdoppelt.

Die Fertigungstiefe in der IT befindet sich im Abwärtstrend.
Die Fertigungstiefe in der IT befindet sich im Abwärtstrend.
Foto: Capgemini

Aus dem Haus geben IT-Verantwortliche in erster Linie Entwicklung, Wartung und Betrieb von Geschäftsanwendungen, IT-Infrastrukturen und Netzwerke, aber auch den kompletten Rechenzentrumsbetrieb, die Desktop-Services und den User-Helpdesk. Angesichts des schönen, neuen Cloud-Himmels drängt sich die Frage auf: Was bleibt am Ende überhaupt noch im Haus?

Szenenwechsel zur deutschen Unternehmenszentrale von Procter & Gamble (P&G) in Schwalbach im Taunus. Unter dem Dach von P&G tummeln sich Marken wie Pampers, Braun, Gillette, Blend-a-med, Wella, Pringles und Wick. Der Konzern gehört weltweit zu den größten SAP-Anwendern aus der Konsumgüterindustrie und hat nahezu alle IT-Bereiche ausgelagert.

Der Group-CIO Filippo Passerini gilt als eine Ikone der Outsourcing-Szene, und auch sein deutscher Vertreter bestätigt: "Ein Ziel unserer IT-Strategie ist es, Geschäftsprozesse auf Basis einer standardisierten IT-Systemlandschaft zu vereinfachen und zu verbessern. Wenn wir das durch Outsourcing besser erreichen können, lagern wir Prozesse an unsere globalen IT-Partner aus", erläutert Tobias Günthör, als CIO verantwortlich für die IT des Konsumgüterkonzerns in Deutschland.

Anteil Eigenbetrieb

2001

2006

2011

74%
Laut Benchmarker Maturity
haben IT-ler 2001
noch 74 Prozent der Arbeit selbst erledigt.
Heute sind es nur noch 48 Prozent

62%

48%

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