Outsourcing-Deal ist 208 Millionen Dollar per anno wert Schweizer Bank beteiligt sich an Outsourcer Perot Systems

15.09.1995

BASEL/DALLAS (CW) - Einen Outsourcing-Handel der Superlative hat die Schweizerische Bankverein AG (SBV), Basel, eingeleitet. Sie will sich mit 24,9 Prozent am texanischen US-Dienstleister Perot Systems Corp. in Dallas beteiligen. Perot soll die Datenverarbeitung der Schweizer Gesellschaft betreiben - ein Auftrag, dessen Wert sich auf jaehrlich 208 Millionen Dollar belaufen soll.

Die Beteiligung am Servicepartner soll den Eidgenossen nicht nur eine bessere IT-Betreuung sichern, man moechte darueber hinaus eine neue Division gruenden, die IT-Loesungen an Finanzunternehmen in aller Welt vermarkten soll. Um die Vertraulichkeit von Kunden- und Bankdaten zu gewaehrleisten, wird der Bankverein saemtliche sicherheitsrelevanten Funktionen in den eigenen Haenden behalten. Die Entwicklung bankenspezifischer Anwendungen bleibt ebenfalls unter Kontrolle des SBV.

Perot uebernimmt das Management der IT-Infrastruktur sowie rund 700 IT-Profis des SBC-Warburg-Geschaeftsbereichs, der Dependancen rund um den Globus unterhaelt. Insgesamt beschaeftigt der SBV rund 1800 IT-Mitarbeiter. Gemeinsam gruenden Dienstleister und Kunde die Perot Systems Global Financial Services, die den Bankenverein mit State-of-the-art-Hardware sowie Netzservices beliefern und die Leistungen beider Konzerne an Dritte vermarkten soll.

Perot wird ausserdem einen 40prozentigen Anteil an der schweizerischen SBV-Tochter Systar AG uebernehmen. Zwar sollen die Geschicke der Tochtergesellschaft weiterhin von den Schweizern gelenkt werden, doch der Service-Anbieter wird im Aufsichtsrat der Systar praesent sein.

Fuer Perot bedeutet dieser Vertrag einen gravierenden Einschnitt: 1994 hatte das privat gehaltene Unternehmen mit zirka 2400 Mitarbeitern rund 300 Millionen Dollar umgesetzt. Durch die Partnerschaft mit der SBV wird das Umsatzvolumen erheblich vergroessert. Firmengruender Ross Perot, vor allem als ehemaliger Praesidentschaftskandidat und Gruender der konkurrierenden General- Motors-Tochter EDS bekannt, hat in dem Unternehmen keine Aemter mehr inne. Nach Angaben der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" haelt ein Familienfonds allerdings noch eine Beteiligung von 40 Prozent. In spaetestens anderthalb Jahren plant Perot den Boersengang .

Die Informationstechnik gilt bei Banken nach den Loehnen als zweithoechster Kostenfaktor. IT-Dienstleister wie EDS, IBM, CSC oder Andersen Consulting profitieren zunehmend von dem Bestreben der Finanzinstitute, diesen Bereich zu konsolidieren.