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Outlook 2002 - ein Betablocker

09.04.2001
Um Viren und Würmern künftig möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten, plant Microsoft offenbar, in der nächsten Outlook-Version rund 30 Dateiformate als Anhang kategorisch zu blockieren.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Microsoft greift in der aktuellen Beta 2 seiner kommenden Bürosuite zum Holzhammer: "Outlook 2002", die (unter anderem) für den E-Mail-Versand zuständige Komponente von "Office XP", blockiert nach Angaben von Testern rund 30 verschiedene MIME-Attachments (Multipurpose Internet Mail Extension) grundsätzlich. Empfänger können entsprechende Botschaften zwar vom Server herunterladen, sehen sich aber anschließend mit der lapidaren Meldung "Outlook hat den Zugriff auf die folgenden potenziell unsicheren Anlagen blockiert: ..." konfrontiert.

Dieses Verhalten ist bereits aus aktuellen Outlook-Versionen bekannt, die mit den neuesten Sicherheits-Patches des Herstellers versehen wurden. Hier sind allerdings weniger Dateitypen betroffen. Das neue Outlook blockiert praktisch alle direkt ausführbaren Dateien (darunter neben den "Klassikern" .EXE, .BAT sowie .COM auch Windows-Bildschirmschoner) und insbesondere die durch Schädlinge wie "Melissa" und Co. zu trauriger Berühmtheit gelangten Visual Basic Scripts (Dateiendung .VBS). Der radikale Schutz lässt sich zwar deaktivieren. Dazu muss jedoch die Windows-Registrierdatenbank manuell verändert werden. Wie das geht, will Microsoft bekannt geben, sobald Outlook 2002/XP am Markt ist.

Mit seiner neuen Taktik trägt der Hersteller offenbar der Tatsache Rechnung, dass viele Privatanwender oder kleine und mittlere Unternehmen alle Bemühungen Microsofts um Sicherheits-Updates entweder ignorieren oder gar nichts davon wissen. Auch wenn die Idee im Prinzip lobenswert ist, schränkt sie doch die Alltagstauglichkeit des Mailclients erheblich ein. Profitieren könnten davon am ehesten die Anbieter alternativer E-Mail-Programme oder von Kompressions-Tools (deren Anhänge anstandslos akzeptiert werden).