Osteuropa: IT-Werkbank für Mittelständler

Sabine Prehl ist freie Journalistin und lebt in München.
Die neuen EU-Länder eignen sich vor allem für das Auslagern komplexer Prozesse. Staaten wie Weißrussland und Ukraine sind für das Geschäftsprozess-Outsourcing dagegen noch nicht reif.

Offshoring beschränkt sich längst nicht mehr auf einfache Programmieraufgaben und Call-Center. Auch komplexe und anspruchsvolle Prozesse wie Rechtsberatung werden zunehmend ins Ausland ausgelagert. General Electric (GE), die Citigroup, Oracle und Cisco beispielsweise beziehen Zeit juristische Dienstleistungen aus Indien.

Hier lesen Sie …

  • warum Firmen aus Westeuropa beim Offshoring bislang zurückhaltend waren;

  • welche Vor- und Nachteile das Outsourcing nach Mittelund Osteuropa bietet;

  • warum sich viele dieser Länder speziell für das Auslagern von anspruchsvolleren Geschäftsprozessen eignen.

Vor allem in den neuen EU-Ländern sind die Löhne gestiegen. So kostet ein Ingenieur in Tschechien heute 5,4 Dollar pro Stunde, in Indien nur 2,4 Dollar. Rumänien und Bulgarien gelten dagegen mit 2,6 beziehungsweise 1,4 Dollar noch als Niedriglohnländer.
Vor allem in den neuen EU-Ländern sind die Löhne gestiegen. So kostet ein Ingenieur in Tschechien heute 5,4 Dollar pro Stunde, in Indien nur 2,4 Dollar. Rumänien und Bulgarien gelten dagegen mit 2,6 beziehungsweise 1,4 Dollar noch als Niedriglohnländer.

Den Marktforschern von Forrester zufolge werden bis 2010 fast 39000 Arbeitsplätze im Rahmen des Legal Process Outsourcing (LPO) an Offshore-Standorte verlegt werden. Auch die Auswertung von Wirtschaftsdaten eignet sich für Offshoring. McKinsey etwa beschäftigt 100 Mitarbeiter im indischen Madras, die die Berater mit Auswertungen und Präsentationen unterstützen.

Allerdings wird Offshoring bislang vorrangig von US-amerikanischen Firmen praktiziert. Egal ob IT-Outsourcing oder BPO (Business Process Outsourcing) - mit Ausnahme von Großbritannien haben viele Unternehmen in Kontinentaleuropa Bedenken, IT-Funktionen und Geschäftsprozesse in großen Stil in Niedriglohnländer zu verlagern. Um den Anschluss nicht zu verlieren, bietet sich für diese Firmen die Nearshoring-Alternative, also das Outsourcing in nahe gelegene Regionen, an. Für westeuropäische Firmen stellen vor allem die Länder in Mittel- und Osteuropa (MOE) aufgrund ihrer geografischen, sprachlichen und kulturellen Nähe ein vergleichsweise geringes Risiko dar.