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"Oscar ändert nichts an strukturellen Problemen der Filmwirtschaft"

25.02.2008
Von pte pte
Der österreichische Regisseur Stefan Ruzowitzky ist in der Nacht auf heute, Montag, in Los Angeles für sein Drama "Die Fälscher" mit einem Oscar ausgezeichnet worden. Der Film, der die Geschichte jüdischer Gefangener im Konzentrationslager Sachsenhausen erzählt, wurde dabei als bester nicht-englischsprachiger Beitrag geehrt. Für Ruzowitzky ist damit ein echter Kindheitstraum wahr geworden: "Das ist das Beste, was einem Filmemacher passieren kann", erklärte er bei der Pressekonferenz im Anschluss an die Oscar-Gala. Gleichzeitig wies sein Hauptdarsteller Karl Markovics aber auch auf die schwierige Situation für Filmschaffende in Österreich hin. Vor allem die Förderungsbedingungen müssten dringend verbessert werden, kritisierte Markovics.

"Dass es genug kreatives Potenzial in Österreich gibt, beweist nicht nur der aktuell gewonnene Oscar", stellt Helmut Grasser, stellvertretender Obmann der Vereinigung kreativer Filmproduzenten Film Austria http://www.filmaustria.com , im Gespräch mit pressetext fest. Obwohl der Oscargewinn in dieser Hinsicht ein sehr positives und wichtiges Zeichen für die Öffentlichkeit sei, ändere er jedoch nichts an den strukturellen Problemen der österreichischen Filmwirtschaft. "Wir haben in Österreich aktuell eine Filmförderung, die mit 12,1 Mio. Euro genauso hoch ist wie im Jahr 1984", erläutert Grasser. Im internationalen Vergleich liege man damit im hinteren Drittel. "Um die Förderungen auf europäisches Niveau zu heben, müssten die entsprechenden Gelder mindestens verdoppelt werden", meint Grasser. Vor allem die Politik sei in diesem Zusammenhang gefordert. "Ich hoffe, dass die österreichische Politik diesen Erfolg zum Anlass nimmt, um endlich für bessere Rahmenbedingungen für Filmproduktionen zu sorgen", so Grasser. Es genüge nicht, nur Maßnahmen anzukündigen, wenn diese nicht auch umgesetzt werden.

"Der Gewinn eines Oscars, des publikumswirksamsten Preises, ist für den österreichischen Film natürlich eine wichtige Auszeichnung", erklärt Werner Müller, Geschäftsführer des Fachverbandes der Audiovisions- und Filmindustrie http://www.fafo.at , gegenüber pressetext. Vor allem der dadurch erzielte Aufmerksamkeitsgewinn sei unbezahlbar. "Mit einem solchen Preis steigt gleichzeitig die Bekanntheit und damit auch die Chancen, am internationalen Parkett wahrgenommen zu werden", stellt Müller fest. Aus wirtschaftlicher Sicht dürfe man den Oscar allerdings nicht überbewerten. "Ohne Unterstützung der Politik und einer deutlichen Anhebung der Fördergelder wird sich auch künftig nichts an der teilweise sehr prekären Situation der rund 5.000 österreichischen Filmschaffenden ändern", kritisiert Müller. Es müsse der Filmstandort Österreich gestärkt werden. "Wir haben ein Grundsatzproblem in Österreich. Der Film hat hier nicht den selben Stellenwert wie etwa das Theater oder die Oper", so Müller abschließend.

Die österreichische Filmwirtschaft verzeichnete im vergangenen Jahr eine rückläufige Entwicklung (pressetext berichtete: http://www.pte.at/pte.mc?pte=071218024 ). Wie aus dem im Dezember vorgelegten Jahresbericht des Österreichischen Filminstituts hervorging, sind es besonders die Bereiche Finanzierung und Förderung, die zunehmend Anlass zur Kritik von Seiten der Filmbranche geben. Vor kurzem haben Bundesministerin Claudia Schmied und Bundeskanzler Alfred Gusenbauer zwar angekündigt, für eine Verbesserung der Förderbedingungen sorgen zu wollen. Ob diese Pläne auch tatsächlich umgesetzt werden, bleibt derzeit allerdings noch abzuwarten. (pte)