Hardwaregeschäft bricht ein

Oracles Geschäfte geraten ins Stocken

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Nach der aggressiven Akquisitionsstrategie der vergangenen Jahre fällt es dem Unternehmen offenbar schwer, das Wachstumstempo zu halten. Vor allem das Hardwaregeschäft macht weiter große Probleme.
Foto: Tim Dobbelaere, CC-BY-SA-2.0, Wikimedia Commons

Wir sind mit unserem Umsatz in diesem Quartal überhaupt nicht zufrieden", gab Oracles Finanzchefin Safra Catz gegenüber Analysten unumwunden zu. Die Einnahmen des Datenbankspezialisten gingen im dritten Fiskalquartal, das Ende Februar abgeschlossen wurde, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Prozent von 9,04 auf 8,96 Milliarden Dollar zurück. Der Gewinn stagnierte bei rund 2,5 Milliarden Dollar. Die Börse quittierte die Zahlen mit einem Kursrutsch des Oracle-Papiers von über sieben Prozent.

Hardwaregeschäft bricht ein

Zwar verbesserten sich die Softwareeinnahmen leicht um vier Prozent auf knapp 6,7 Milliarden Dollar. Das war jedoch allein dem anhaltenden Wachstum im Support- und Wartungsgeschäft zu verdanken, das sich um sieben Prozent auf rund 4,3 Milliarden Dollar verbesserte. Das Neugeschäft mit Lizenzen und Cloud-Abos ging dagegen um zwei Prozent auf 2,3 Milliarden Diollar zurück. Dieser Posten gilt als wichtiges Barometer für die weitere Geschäftsentwicklung - auch weil davon die künftigen Wartungseinnahmen abhängen.

Oracles Umsatz im Quartalsvergleich: Nach der Übernahme von Sun Microsystems Anfang 2010 gab es noch einmal einen Wachstumsschub. Danach ging dem US-Konzern ein wenig die Puste aus. Angaben in Millionen Dollar; Quelle: Oracle
Oracles Umsatz im Quartalsvergleich: Nach der Übernahme von Sun Microsystems Anfang 2010 gab es noch einmal einen Wachstumsschub. Danach ging dem US-Konzern ein wenig die Puste aus. Angaben in Millionen Dollar; Quelle: Oracle

Im Hardwaresegment schrumpften die Einnahmen gegenüber dem Vorjahresquartal um 16 Prozent auf gut 1,2 Milliarden Dollar. Gelitten hat vor allem das Geschäft mit neuen Systemen, das um 23 Prozent auf 671 Millionen Dollar einbrach. Die Oracle-Verantwortlichen schoben das lahmende Hardware-Business auf die zögerliche Haltung der Kunden, die angeblich auf die neue Produktgeneration mit dem Sparc-T5-Prozessor warteten. Die Systeme sollen Ende März auf den Markt kommen. Oracle-Chef Lawrence Ellison hofft, damit die bislang enttäuschende Hardwaresparte wieder in Schwung zu bringen. Der Sparc T5 sei der schnellste Prozessor der Welt, warb der Manager.

Ellison gab sich zuversichtlich, dass das vierte Quartal besser ausfallen werde als das gerade abgeschlossene. Mit dem Beginn des neuen Geschäftsjahres erwartet der Oracle-Chef dann eine Wachstumsphase. "Das nächste Jahr wird ein großes Wachstumsjahr für unser Hardwaregeschäft sein", verkündete er. Allerdings ist es nicht das erste Mal, dass Ellison ein Comeback des mit der Sun-Übernahme zugekauften Server- und Storage-Geschäfts verkündet. Eingetreten sind die Prognosen bis dato nicht. Von Quartal zu Quartal schmelzen die Hardwareumsätze weiter ab.

Cloud noch kein Rettungsanker

Oracle tut sich offenbar schwer, das hohe Wachstumstempo, das vor einigen Jahren auch durch eine aggressive Akquisitionsstrategie angetrieben wurde, aufrechtzuhalten. Die Rechnung, die Vertriebsmannschaft um einige tausend Köpfe zu erweitern, ging bislang noch nicht auf. Oracle wird sich etwas einfallen lassen müssen, zumal der Druck nicht nachlassen dürfte - gerade im Wartungsgeschäft, das derzeit noch hohe Margen abwirft. Hier hinterfragen die Kunden zunehmend die Kosten-Nutzen-Relation und ziehen immer öfter günstige Angebote von Drittanbietern in Betracht. Das Cloud-Business, auf das viele Anbieter ihre Hoffnungen setzen und das nach Aussagen des Oracle-Management zuletzt deutlich zulegen konnte, ist längst nicht so profitabel wie das klassische Softwaregeschäft und kann Rückgänge in anderen Bereichen nicht auffangen.

Ärger droht Oracle zudem im Streit mit Hewlett-Packard. Nachdem Oracle vor zwei Jahren verkündet hatte, seine Software nicht mehr für HPs Itanium-Server-Plattform anzupassen, zog der Konkurrent vor Gericht. Ein Richter gab HP im August 2012 recht und verpflichtete Oracle, seine Software weiter für die Itanium-Plattform anzubieten. Dagegen hat Oracle zwar Einspruch eingelegt, doch nun geht es auch um Schadenersatzforderungen. HP beziffert den Schaden durch die wegen der Oracle-Ankündigung verursachte Verunsicherung im Markt auf bis zu 4,2 Milliarden Dollar. Oracle wirft HP und dessen Chippartner Intel dagegen vor, hinter den Kulissen längst das Ende des Itanium beschlossen zu haben. Ab dem 8. April stehen sich die Streithähne vor Gericht gegenüber. (mhr)