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Oracle will SAP von der Spitze verdrängen

02.02.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nach der Übernahme von Peoplesoft will Oracle mittelfristig die SAP als weltgrößten Anbieter von Unternehmensanwendungen ablösen und in den kommenden Jahren in punkto Marktanteil hinter sich lassen. President Charles "Chuck" Philips erklärte gestern in einem Interview, der Erfolg des Peoplesoft-Kaufs werde sich wesentlich daran messen lassen, ob es Oracle gelinge, SAP als Nummer eins abzulösen.

"Wir sind bereit für ein Kopf-an-Kopf-Rennen", erklärte Philips, und Oracle wolle "sie später überholen", was Marktanteile angehe. In drei oder vier Jahren "sollten wir das Weiße in ihren Augen sehen", fügte er laut "Wall Street Journal" hinzu.

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Zwar ist Oracles Kerngeschäft mit Datenbanken ungebrochen stark, doch im Geschäft mit betriebswirtschaftlicher Standardsoftware für Unternehmen kämpfte der kalifornische Konzern zuletzt mit Problemen. SAP ist nach Schätzung des Marktforschungsunternehmens AMR Research in diesem Segment mit 18 Prozent Marktanteil Marktführer, Oracle kommt hier selbst inklusive Peoplesoft (das ja zuvor noch J.D. Edwards geschluckt hatte) nur auf zwölf Prozent.

Philips räumte denn auch ein, dass SAP als Anbieter von Finanzsoftware für die größten multinationalen Anwenderkonzerne einen starken Stand habe. Oracle liefere hier aber oftmals die Software für das Personalwesen und sei auch in Fertigungsstätten und anderen Niederlassungen präsent. "Wir umzingeln sie jetzt bei vielen ihrer besten Accounts", sagte der Oracle-President.

Von SAP gab es zu Philips' Äußerungen keinen Kommentar. "Wir äußern uns nicht zur Geschäftsstrategie unserer Wettbewerber", erklärte Konzernsprecher Markus Berner. Die Walldorfer hatten in der vergangenen Woche ein 22-prozentiges Gewinnwachstum auf 1,3 Milliarden Euro und zehn Prozent höhere Lizenzeinnahmen von 2,4 Milliarden Euro für 2004 gemeldet. (tc)