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Oracle will Peoplesoft-Kunden beruhigen

21.12.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Oracles Co-President Charles Phillips hat erste Kontakte zu Anwendervereinigungen von Peoplesoft-Kunden geknüpft. Nach Bekanntgabe der geglückten Übernahme versucht der Manager, der als treibende Kraft hinter der Akquisition gilt, die nach dem 18 Monate dauernden Übernahmekampf angespannten Beziehungen zu entkrampfen. Vor allem die Kunden des von Peoplesoft im vergangenen Jahr übernommenen Softwareanbieters J.D. Edwards hatten sich im Vorfeld besorgt über die möglichen Folgen einer Oracle-Übernahme geäußert. Sie befürchten, Oracle könnte den Support und die Weiterentwicklung der eingesetzten Produkte einstellen.

Diese Sorgen versuchen die Oracle-Verantwortlichen nun zu entkräften. Man werde die Produkte weiter pflegen und bei der künftigen Entwicklung die Anregungen und Wünsche der Anwendervereinigungen berücksichtigen, heißt es in einer offiziellen Mitteilung Oracles. Der Datenbankspezialist verspricht langfristigen Support und neue Releases für "Enterprise One", ein ehemaliges J.D.-Edwards-Produkt. Für die World-Software, eine in RPG für IBMs "I-Series" programmierte Lösung, die Peoplesoft ebenfalls von J.D. Edwards übernommen hatte, will Oracle die bereits bestehende Support-Roadmap von Peoplesoft weiterführen und erfüllen.

Die Oracle-Verantwortlichen wollen außerdem den Support konkurrierender Datenbankprodukte fortführen. Viele Peoplesoft-Kunden arbeiten mit Datenbanken von IBM und Microsoft. Auch IBMs Hardwareplattform I-Series, auf der zahlreiche J.D.-Edwards-Installationen laufen, soll in Zukunft unterstützt werden. Jedoch wird die vom Peoplesoft-Management im Sommer dieses Jahres beschlossene Kooperation mit IBM beendet. Im Abwehrkampf gegen Oracle wollte das Management seine Position mit der Entscheidung stärken, die eigenen Applikationen enger mit IBMs Middleware-Plattform "Webshere" zu verknüpfen.

Trotz der Oracle-Bekenntnisse bleiben die Anwender skeptisch. Zwar sei es zu begrüßen, dass die langmonatige Unsicherheit nun ein Ende habe, erklärte Fred Pond, Leiter der Peoplesoft-Anwendervereinigung Quest. Die Kunden hätten sich jedoch kaum für die Übernahme ausgesprochen, wenn sie eine Wahl gehabt hätten.

Nimmt man die Oracle-Zusagen genauer unter die Lupe, so bleiben etliche Fragen offen. Bislang ist nicht eindeutig geklärt, welche Releases wie lange unterstützt werden. Auch in Sachen Kooperation mit konkurrierenden Datenbankanbietern lässt sich Oracle offenbar eine Hintertür offen. Diese Unterstützung werde so lange fortgesetzt, wie sich eine Arbeitsbeziehung aufrechterhalten lasse, heißt es von Seiten Oracles, was natürlich verschiedene Interpretationen zulässt.

Die Absichten dürften klar sein. So wird Oracle sicherlich versuchen, die Peoplesoft-Kunden dazu zu bewegen, auf die eigenen Produkte umzusteigen. Das betrifft in erster Linie die Datenbank und mittelfristig eine konsolidierte Applikations-Produktlinie. Es würden keine zusätzlichen Gebühren für Migrationsunterstützung fällig, versucht Oracle einen Umstieg schmackhaft zu machen. Das gelte jedoch nur, wenn die eingesetzten Produkte voll lizenziert seien und ein regulärer Wartungsvertrag bestehe. Mit dieser Klausel wollen die Oracle-Verantwortlichen einer Abwanderung der Peoplesoft-Klientel vorbeugen. So hatte jüngst eine Umfrage von AMR Research ergeben, dass viele Anwender mit dem Gedanken spielen, nach einer Übernahme ihren Wartungsvertrag zu kündigen und einen Drittanbieter mit der Pflege der eingesetzten Software zu betrauen. (ba)