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Oracle vs US-Justiz: Microsoft will nicht gegen SAP antreten

24.06.2004

Microsoft habe mit SAP in erster Linie deshalb über eine Übernahme gesprochen, um das eigene Datenbankgeschäft zu schützen, gab Microsofts Senior Vice President Doug Burgum anlässlich der gerichtlichen Auseinandersetzung zwischen dem US-amerikanischen Justizministerium und Oracle vor dem Bezirksgericht in San Francisco zu Protokoll. Vor wenigen Wochen hatten Vertreter von Microsoft und SAP eingeräumt, über eine Fusion verhandelt zu haben. Anfang dieses Jahres wurden die Gespräche jedoch ergebnislos beendet. Burgum zufolge befürchteten die Microsoft-Verantwortlichen, dass Peoplesoft-Anwender nach einer Übernahme durch Oracle gezwungen sein würden, auf Oracle-Datenbanken zu wechseln. Diese

Strategie wäre in erster Linie zu Lasten von Microsoft- und IBM-Produkten gegangen. Als dann Microsoft-intern Befürchtungen laut wurden, IBM könnte versuchen, SAP zu schlucken, sei man selbst auf den deutschen Softwareanbieter zugegangen, berichtete Burgum. Als jedoch klar wurde, dass IBM keine Übernahmeabsichten SAP gegenüber hegte, habe man die Gespräche beendet.

Microsoft habe nicht die Absicht, im Markt für konzernweite Business-Applikationen gegen SAP, Oracle und Peoplesoft anzutreten, versicherte der Microsoft-Manager im weiteren Verlauf seiner Zeugenaussage. Man werde sich auch künftig auf Lösungen für kleine und mittlere Firmen beschränken. Der Aufwand, selbst Produkte für Großkonzerne zu entwickeln, sei zu hoch. Microsofts Stärke bestehe darin, günstige Lösungen an ein möglichst breites Kundenspektrum zu verkaufen.

Mit seiner Aussage stützte Burgum die Argumentation der US-Behörden, die mit einem nachlassenden Wettbewerb und steigenden Preisen rechnen, sollte Oracle die Übernahme von Peoplesoft gelingen. Oracle-Anwalt Daniel Wall widersprach dieser Ansicht. Allein die Tatsache, dass Microsoft mit SAP über eine Fusion verhandelt habe, belege die Absicht der Redmonder, auch ins Highend-Segment des Applikationsmarktes vorzustoßen. Wall präsentierte Microsoft-interne Unterlagen, wonach der Softwareanbieter bereits heute Anwender mit mehr als 1000 Mitarbeitern und einem IT-Budget von über 45 Millionen Dollar jährlich zu seinen Kunden zähle.

Oracles Argumentation, dass im Markt ausreichend Wettbewerb herrsche, wurde durch die Aussage von Richard Knowles, Vice President von SAP in Amerika, gestützt. SAP konkurriere nicht allein gegen Oracle und Peoplesoft, versicherte Knowles gegenüber Richter Vaughn Walker. Mit der Übernahme von Peoplesoft würde Oracle einen Marktanteil von 38 Prozent in den USA erreichen. SAP stehe derzeit bei etwa 34 Prozent. Diese Situation würde den Wettbewerb eher noch anheizen, glaubt der SAP-Manager. Thomas Barnett, Anwalt des Justizministeriums bemühte sich, die Bedeutung der Aussage von Knowles herunterzuspielen. Die Äußerungen eines Wettbewerbers seien in diesem Zusammenhang weniger relevant, als die Aussagen der Anwender. Diese hätten bis dato übereinstimmend zu Protokoll gegeben, dass sie drei Anbieter einem Zweikampf vorzögen. (ba)