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Oracle vs Peoplesoft: Die Nacht der Entscheidung

19.11.2004
Heute um Mitternacht endet Oracles Angebot an die Peoplesoft-Aktionäre. Der Ausgang ist jedoch unklar, weil die institutionellen Anleger sich größtenteils noch bedeckt halten.

Von Freitag auf Samstag um Mitternacht östlicher US-amerikanischer Zeit endet Oracles Übernahmeangebot an die Peoplesoft-Aktionäre. Oracle-Chef Lawrence Ellison hatte im Vorfeld unmissverständlich klar gemacht, das Angebot von 24 Dollar je Peoplesoft-Papier sei definitiv die letzte Offerte. Sollte es dem Datenbankspezialisten nicht gelingen, mehr als die Hälfte der rund 383 Millionen Anteile zu gewinnen, werde man den Deal fallen lassen, so die Pläne der Konzernzentrale in Redwood Shores. Das Peoplesoft-Management unter der Führung von Firmengründer David Duffield bleibt derweil bei seiner ablehnenden Haltung. Das Angebot von knapp 9,2 Milliarden Dollar entspreche nicht dem wahren Wert des Softwareanbieters. Daher laute die Empfehlung aus dem Hauptquartier im US-amerikanischen Pleasanton an die Anteilseigner, ihre Aktien nicht an den Wettbewerber zu veräußern.

Auch kurz vor dem Ablauf der letzten Frist im nunmehr seit Juni 2003 laufenden Übernahmekampf zeichnet sich keine Einigung beider Kontrahenten ab. Vielmehr ziehen beide Seiten alle Register, um die eigene Position zu stärken. So spekulierten die Oracle-Verantwortlichen in aller Öffentlichkeit darüber wie tief der Peoplsoft-Kurs abstürzen könnte, sollte die Offerte zurückgewiesen werden. Außerdem wurden Berichte über Aktienverkäufe von Peoplesoft-Chef Duffield lanciert, um einen Keil in die Peolesoft-Front zu treiben. Ellison spekulierte sogar darüber, ob bei diesen Verkäufen alles mit rechten Dingen zugegangen sei.

Mit dieser Strategie versuche Oracle die Öffentlichkeit zu täuschen und Verwirrung zu stiften, wies Duffield die Anschuldigungen zurück. Die Aktienverkäufe Ende 2003 seien Teil eines von der US-amerikanischen Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) geprüften Anlageplans gewesen. Mit diesen Regelungen wollen die Börsenbehörden gegen Insiderhandel vorgehen. Auch für Ellison gebe es einen entsprechenden Anlageplan, wonach dieser im laufenden Jahr Millionen von Oracle-Aktien verkauft habe, heißt es in einer Stellungnahme Duffields. Der Peoplesoft-Chef erwägt nun offenbar, eine Verleumdungsklage gegen Ellison einzureichen.

Welche Auswirkungen diese Scharmützel auf die Entscheidungen der Aktionäre haben werden, ist derzeit noch nicht abzusehen. Die meisten institutionellen Anleger halten ihr Votum noch zurück. Von den Großanlegern haben bislang erst zwei eine Entscheidung bekannt gegeben. Demnach wird Private Capital Management, die rund 9,4 Prozent der Peoplesoft-Anteile verwalten, das Angebot ausschlagen. Dagegen erklärten die Verantwortlichen der Capital Guardian Trust Company, die etwa 10,2 Prozent an Peoplesoft halten, auf die Offerte eingehen zu wollen. Experten gehen davon aus, dass viele Aktionäre ihre Entscheidung in der Hoffnung auf ein verbessertes Angebot bis kurz vor Ende der Frist aufschieben werden.

Doch selbst wenn Oracle eine Aktienmehrheit gewinnt, könnten sich die Übernahmequerelen bis zum Frühjahr nächsten Jahres fortsetzen. Denn erst auf der nächsten Peoplesoft-Hauptversammlung könnten die Oracle-Verantwortlichen versuchen, den Peoplesoft-Vorstand zu entmachten. Bis dahin hätte die amtierende Führung die Möglichkeit, mit zusätzlichen Abwehrmaßnahmen weitere Hürden für eine Übernahme aufzubauen. So plant Peoplesoft beispielsweise neue Aktien auszugeben. Dies würde die Akquisition deutlich teurer machen. Außerdem gewährt Peoplesoft seinen Kunden derzeit eine Garantie auf seine Produkte. Sollten Support und Service nach einer Übernahme auslaufen, hätten die Kunden Anspruch auf Rückerstattung des Kaufpreises.

Oracle klagt zurzeit gegen diese "Giftpillen". Sollte Oracle die Aktienmehrheit gewinnen, der Peoplesoft-Vorstand aber stur bleiben, muss Richter Leo Strine aus Delaware entscheiden, ob Peoplesofts Abwehrmaßnahmen rechtens sind. Mit einer Aktienmehrheit auf Seiten Oracles wird es für die Unternehmensführung jedoch schwer, ihre starre Abwehrhaltung beizubehalten. Experten gehen davon aus, dass dann der Druck auf die Peoplesoft-Führung steigen würde. Duffield werde dann verhandeln müssen oder gute Gründe für seine Verweigerung des Oracle-Angebots präsentieren müssen. (ba)