Schwäche im Hardware-Geschäft

Oracle verfehlt Ziele

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Wirkt sich bei Oracle die Schuldenkrise aus oder sind es hausgemachte Probleme?

Zum ersten Mal seit zwei Jahren verfehlte der SAP-Rivale Oracle die hochgesteckten Erwartungen der Börsianer. Hardware und auch Software verkauften sich schleppend.

Oracle-Boss Lawrence "Larry" Ellison
Oracle-Boss Lawrence "Larry" Ellison
Foto: Oracle

Während das Geschäft beim deutschen Software-Konzern SAP zuletzt glänzend lief, schwächelt der US-Erzrivale Oracle überraschenderweise: Das vom streitbaren Milliardär Larry Ellison geführte Unternehmen verfehlte im zweiten Geschäftsquartal (September bis November) deutlich die Erwartungen der Analysten. Am Dienstag stürzte die Aktie nachbörslich um fast neun Prozent ab. Der Konzern konnte die Anleger nicht einmal mit der Ankündigung beruhigen, für weitere fünf Milliarden Dollar eigene Aktien zurückkaufen zu wollen. Das treibt üblicherweise den Kurs.

Der Umsatz legte um magere zwei Prozent auf 8,8 Milliarden Dollar zu (umgerechnet 6,7 Milliarden Euro). Börsianer sind hier prozentual zweistellige Sprünge von Oracle gewohnt. Doch der Konzern konnte die Verkäufe von Software-Lizenzen gegenüber dem Vorjahreszeitraum kaum noch steigern; das zugekaufte Geschäft mit leistungsstarken Firmenrechnern schrumpfte sogar. Unterm Strich stieg der Gewinn dank Einsparungen immerhin noch um 17 Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar.

Oracle nannte in der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen eine Reihe von Gründen für das schlechte Abschneiden, unter anderem negative Währungseffekte, eine Reihe von nicht rechtzeitig zu Ende des Berichtszeitraums unterzeichnete Vertragsabschlüsse sowie auf der Hardwareseite die Umstellung auf die neue Prozessorgeneration Sparc T4, die komplett neue Systeme erfordert - und die waren wie beispielsweise der neue "SuperCluster T4" nicht rechtzeitig verfügbar.

Finanzchefin Safra Catz warnte daher, dass die Hardware-Verkäufe im laufenden Quartal sogar um bis zu 14 Prozent zurücklgehen könnten; ihr Chef und Oracle-CEO Larry Ellison gab sich allerdings optimistischer mit Blick auf das kommende Jahr. Das Geschäft mit neuen Software-Lizenzen soll um zwei bis zwölf Prozent und der Umsatz insgesamt um drei bis sieben Prozent steigen. Das EPS soll zwischen 56 und 59 Cent liegen und damit im Rahmen des Analystenkonsensus.

Ellison deutete übrigens auch an, dass Apple mittlerweile ein großer Oracle-Kunde ist. "Ein sehr großer amerikanischer Smartphone-Hersteller" (und das kann eigentlich nur der Konzern aus Cupertino sein) habe für den Bau seiner Cloud-Infrastruktur mehr als 30 "Exadata"-Systeme gekauft.

Oracle fährt seit Jahren einen rasanten Wachstumskurs mit Zukäufen am laufenden Band. Neben so bekannten Softwarefirmen wie Siebel oder PeopleSoft verleibte sich Oracle für 7,4 Milliarden Dollar auch den Server-Spezialisten Sun Microsystems ein. Bislang schien die Strategie auch aufzugehen. Zuletzt hatte Oracle nach den Daten des Finanzdienstleisters Bloomberg vor zwei Jahren die Erwartungen enttäuscht. (tc mit Material von dpa)