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Oracle umgarnt Siebel-Kunden

21.10.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - "Wir schützen Ihre Investitionen mit einem lebenslangen Support", versprach Oracle-President Charles Philips den Besuchern von Siebels Kundenmesse Customer World in Boston. Mit dieser Zusicherung bemühte sich Phillips, die Bedenken der Siebel-Kunden zu zerstreuen, Oracle würde Produkte einstampfen und die Anwender zu mühsamen und kostspieligen Migrationen zwingen.

Oracle hatte Mitte September dieses Jahres bekannt gegeben, Siebel für 5,85 Milliarden Dollar übernehmen zu wollen (siehe auch: Mit Siebel kauft Oracle Marktanteile). Mit der Akquisition des Customer-Relationship-Management-Spezialisten (CRM) beabsichtige der Datenbankspezialist, sein Standbein im CRM-Markt zu stärken. Hier habe Oracle in der Vergangenheit Schwächen gezeigt, räumte Phillips ein. Daher baue man auf die Erfahrung des einstigen Konkurrenten und setze vor allem auf die Branchen-Expertise sowie die analytischen Funktionen der Siebel-Software.

Oracle plane, die Siebel-Software ins Zentrum der künftigen CRM-Entwicklungen zu stellen, erklärte Phillips. Auch Siebels Integrationsentwicklungen würden in Oracles Middleware-Linie "Fusion" berücksichtigt. Um Fusion als herstellerübergreifende Integrationsplattform im Markt zu etablieren, setzt Oracle wie auch Konkurrent SAP auf eine Service-orientierte Architektur (SOA). Mit Hilfe der Business Process Execution Language (BPEL) als standardisierte Web-Services-Technik sollen Anwender künftig eigene Geschäftsprozesse definieren und mit den notwendigen Softwaremodulen unterlegen können.

Auch Siebel baut mit der Siebel Component Assembly (SCA) auf ein SOA-Modell (siehe auch: Wohin führt Siebels Produkt-Roadmap?). Für Unruhe sorgten zuletzt Äußerungen von Oracle-Chef Lawrence Ellison, es sei noch nicht absehbar, inwieweit die Siebel-Entwicklungen künftig berücksichtig werden könnten. Phillips versucht nun, mit seinen Beteuerungen die Nutzer zu beruhigen. Konkrete Details wie eine Integration der Integrationsplattformen aussehen könnte, blieb er aber schuldig.

Phillips zufolge werde die Übernahme des CRM-Spezialisten frühestens Anfang 2006 abgeschlossen. Er äußerte die Hoffnung, Siebel werde die Inhaber von Schlüsselfunktionen im Management halten können. Ob Lippenbekenntnis oder ernst zu nehmende Erwartung - die Hoffnungen des Oracle-Managers dürften sich kaum erfüllen. Nach der Übernahme von Peoplesoft Ende vergangenen Jahres verließ ein Großteil der Führungsmannschaft den von Oracle akquirierten Enterprise-Resource-Planing-Spezialisten (ERP). SAP rühmte sich im Sommer dieses Jahres, zahlreiche Top-Manager der Konkurrenz angeheuert zu haben - darunter auch zahlreiche Ex-Peoplesoft-Mitarbeiter und Siebel-Führungskräfte (siehe auch: SAP wirbt um Top-Manager der Konkurrenz). (ba)