Hoffnung von SAP geplatzt

Oracle streitet weiter wegen Datenklau

08.09.2012
Die Lösung im Datenklau-Streit zwischen SAP und Oracle hätte so einfach sein können.

SAP zahlt wie vereinbart 306 Millionen Dollar, Oracle akzeptiert, fertig. Doch der US-Konzern denkt nicht daran, das Kriegsbeil zu begraben. Das Verfahren geht in eine neue Runde.

Oracle-Chef Larry Ellison lässt dem Erzrivalen in Walldorf keine Ruhe.
Oracle-Chef Larry Ellison lässt dem Erzrivalen in Walldorf keine Ruhe.
Foto: Asa Mathat | All Things Digital

Für den deutschen Software-Primus SAP geht der Alptraum weiter: Der US-Erzrivale Oracle hat eine neue Runde in dem seit fünf Jahren laufenden Rechtsstreit um geklaute Software eingeläutet. Statt ein Urteil mit einer Wiedergutmachung von 306 Millionen Dollar (umgerechnet 243 Millionen Euro) zu akzeptieren und damit einen Schlussstrich unter das Verfahren zu ziehen, hat Oracle Berufung eingelegt (PDF-Link). Das bedeutet, dass sich die beiden Parteien vor der nächsten Instanz wiedersehen.

"Wir sind enttäuscht, dass Oracle diesen Rechtsstreit weiter hinauszieht", sagte ein SAP-Sprecher am Montag und bestätigte damit einen Bericht des "Mannheimer Morgens" (Dienstagausgabe). "Wir hatten uns auf eine vernünftige Regelung geeinigt, denn wir glauben, dass dieser Fall schon lange genug andauert." SAP wolle nach wie vor den Rechtsstreit abschließen. Der Konzern hat die Verfehlungen längst eingestanden und sich öffentlich entschuldigt.

Die Sache, um die es geht, liegt Jahre zurück: Mitarbeiter der 2005 übernommenen und mittlerweile geschlossenen SAP-Tochterfirma TomorrowNow hatten im großem Stil unrechtmäßig Updates bei Oracle heruntergeladen. Die Staatsanwaltschaft von San Francisco kam bei ihren Ermittlungen auf mindestens 6249 Fälle und brummte SAP eine Strafe von 20 Millionen Dollar auf. Parallel dazu läuft seit 2007 die zivilrechtliche Klage von Oracle.

Eine Jury hatte Oracle zunächst einen Schadenersatz von 1,3 Milliarden Dollar zugesprochen; eine Richterin hatte die Summe indes als "extrem übertrieben" kritisiert und sie auf 272 Millionen Dollar reduziert. Oracle wollte sich das nicht bieten lassen. Um ein langwieriges und durch die hohen US-Anwaltshonorare auch teures neues Verfahren abzuwenden, bot SAP die Zahlung von 306 Millionen Dollar an. Oracle willigte in den Vergleich ein. Die zuständige Richterin Phyllis Hamilton gab ebenfalls ihren Segen.

Oracle entschied sich letztlich dennoch für die Berufung. "Der Vergleich über die 306 Millionen Dollar bleibt auch in der nächsten Instanz bestehen", sagte ein SAP-Sprecher. Diese Summe ist demnach der Mindestbetrag, den SAP an Oracle überweisen wird, selbst wenn nun eine geringere Schadenssumme festgestellt werden sollte. SAP hatte seinem Rivalen bereits Verfahrenskosten in Höhe von 120 Millionen Dollar ersetzt.

Die beiden Unternehmen sind sich spinnefeind, nicht erst seit dem Datenklau. SAP ist der Weltmarktführer für Unternehmenssoftware. Damit regeln Firmen etwa die Buchhaltung oder die Kundenverwaltung. Oracle ist führend bei Datenbanken, drängt aber immer mehr in das angestammte Feld von SAP. Der für seine markigen Sprüche bekannte Oracle-Chef Larry Ellison gab in den vergangenen Jahren dutzende Milliarden Dollar für Zukäufe aus. (dpa/tc)